Herz

Herzinfarkt verstehen

Was bei einem Herzinfarkt passiert, welche Beschwerden auftreten können, wie die Diagnose gestellt wird und welche Behandlungsmöglichkeiten bestehen.

← Herzkranzgefäße & akute Koronarsyndrome

Wenn Herzmuskel durch eine akute Durchblutungsstörung geschädigt wird

Bei einem Herzinfarkt wird ein Teil des Herzmuskels akut so unzureichend mit Blut und Sauerstoff versorgt, dass Herzmuskelzellen geschädigt werden und absterben können.

Der medizinische Begriff lautet Myokardinfarkt.

Myokard bedeutet Herzmuskel.

Infarkt bedeutet, dass Gewebe durch eine unzureichende Blutversorgung dauerhaft geschädigt wird beziehungsweise abstirbt.

Ein Herzinfarkt gehört zum Spektrum des akuten Koronarsyndroms und benötigt sofortige medizinische Behandlung.

Ein Herzinfarkt ist nicht einfach „starke Angina pectoris“. Beim Herzinfarkt ist Herzmuskelgewebe akut geschädigt.

Das Wichtigste zuerst

Starke oder plötzlich auftretende Brustbeschwerden, schwere Atemnot, Bewusstlosigkeit oder Verdacht auf einen Herzinfarkt: sofort 112 wählen.

Zu den möglichen Herzinfarktzeichen gehören unter anderem Brustschmerzen oder starkes Druck- und Engegefühl, Atemnot, Übelkeit, kalter Schweiß, ausgeprägte Schwäche oder Bewusstlosigkeit. Nicht alle Beschwerden müssen gleichzeitig auftreten.

Bei einem möglichen Herzinfarkt nicht:

  • bis zum nächsten Morgen warten,
  • erst selbst einen Transport organisieren,
  • zunächst Patavio nach einer Diagnose fragen,
  • oder anhand der Beschwerden zwischen verschiedenen Herzinfarktformen unterscheiden.
Bei möglichem Herzinfarkt gilt: 112 vor Patavio.

Notruf 112 anrufen

Was passiert bei einem Herzinfarkt?

Der Herzmuskel benötigt ständig Sauerstoff.

Dieser Sauerstoff wird mit dem Blut über die Herzkranzgefäße zum Herzmuskel transportiert.

Wird der Blutfluss in einem Herzkranzgefäß plötzlich stark vermindert oder unterbrochen, erhält das dahinterliegende Herzmuskelgewebe nicht mehr ausreichend Sauerstoff.

Hält eine schwere Minderdurchblutung an, werden Herzmuskelzellen geschädigt. Ein Teil der Schädigung kann unumkehrbar werden und Herzmuskelgewebe kann absterben.

Wie viel Herzmuskel betroffen ist, hängt nicht nur von der Dauer ab. Auch Lage, Ausmaß, vorhandene Umgehungskreisläufe und die schnelle Wiederherstellung der Blutversorgung spielen eine Rolle.

Die schnelle Behandlung soll weiteren Herzmuskelschaden möglichst begrenzen.

Warum kann ein Herzinfarkt entstehen?

Der häufigste klassische Mechanismus ist eine bereits bestehende atherosklerotische Veränderung der Gefäßwand.

Atherosklerose ist eine Form der Arterienverkalkung, bei der sich die Gefäßwand verändert und Ablagerungen entstehen.

Eine solche Ablagerung kann sich plötzlich verändern oder aufbrechen. An dieser Stelle können Blutplättchen aktiviert werden und ein Blutgerinnsel entstehen. Das Gerinnsel kann den Blutfluss stark einschränken oder ein Gefäß verschließen.

Dieser Mechanismus ist typisch für einen Typ-1-Herzinfarkt.

Nicht jeder Herzinfarkt entsteht durch denselben Mechanismus

Das ist eine wichtige Besonderheit.

Ein Herzinfarkt bedeutet:

Herzmuskel wurde durch eine akute Minderdurchblutung geschädigt.

Es bedeutet aber nicht automatisch:

Ein großes Herzkranzgefäß wurde durch ein Blutgerinnsel vollständig verschlossen.

Die derzeit gültige universelle Herzinfarktdefinition unterscheidet verschiedene Entstehungsmechanismen.

Für Patientinnen und Patienten sind zunächst besonders wichtig:

  • Typ-1-Herzinfarkt
  • Typ-2-Herzinfarkt

Weitere Infarkttypen beschreiben spezielle Situationen, unter anderem Ereignisse im Zusammenhang mit bestimmten Eingriffen am Herzen. Sie werden auf dieser Einstiegsseite nicht vertieft.

Welche Arten von Herzinfarkt gibt es?

Typ-1-Herzinfarkt

Beim Typ-1-Herzinfarkt entsteht die akute Durchblutungsstörung typischerweise durch eine Veränderung einer atherosklerotischen Ablagerung in einem Herzkranzgefäß mit Bildung eines Blutgerinnsels.

Das ist der klassische Herzinfarktmechanismus, den viele Menschen vor Augen haben, wenn sie an einen Herzinfarkt denken.

Typ 1 beschreibt den Mechanismus. Die Zahl ist keine Schweregradstufe.

Typ-2-Herzinfarkt

Beim Typ-2-Herzinfarkt besteht ebenfalls eine akute Minderdurchblutung mit Herzmuskelschädigung.

Der Mechanismus ist jedoch ein anderer: Das Sauerstoffangebot reicht in der konkreten Situation nicht aus, um den Sauerstoffbedarf des Herzmuskels zu decken. Der für den Typ-1-Herzinfarkt typische akute atherothrombotische Mechanismus ist dabei nicht die Ursache.

Ein solches Missverhältnis kann beispielsweise im Zusammenhang stehen mit:

  • einer schweren Sauerstoffunterversorgung,
  • stark erniedrigtem Blutdruck,
  • ausgeprägter Blutarmut,
  • sehr schnellem oder sehr langsamem Herzschlag,
  • einem Krampf eines Herzkranzgefäßes,
  • Störungen kleiner Herzkranzgefäße,
  • oder anderen akuten Erkrankungen und Belastungen.

Welche Ursache tatsächlich vorliegt, muss medizinisch geklärt werden.

Typ 2 bedeutet nicht „Herzinfarkt zweiten Grades“ und nicht automatisch „leichterer Herzinfarkt“.

Die Zahl beschreibt den Mechanismus – nicht eine einfache Rangfolge des Schweregrades.

Zwei unterschiedliche Einteilungen des Herzinfarkts

In Arztbriefen begegnen Patientinnen und Patienten häufig zwei Begriffspaare:

  • Herzinfarkt mit oder ohne ST-Strecken-Hebung,
  • Herzinfarkt Typ 1 oder Typ 2.

Diese Begriffe beschreiben nicht dasselbe.

Herzinfarkt mit ST-Strecken-Hebung

In Arztbriefen kann stehen:

STEMI (Herzinfarkt mit ST-Strecken-Hebung – Herzinfarkt mit einem bestimmten charakteristischen Hebungsmuster in der Herzstrommessung).

Die ST-Strecke ist ein bestimmter Abschnitt der aufgezeichneten elektrischen Herzaktivität.

Eine anhaltende charakteristische Hebung dieses Abschnitts kann auf eine schwere akute Durchblutungsstörung hinweisen und ist für den zeitkritischen Behandlungsweg besonders wichtig.

Die Herzstrommessung ist dabei ein zentraler Baustein der frühen Einordnung. Die endgültige Herzinfarktdiagnose entsteht jedoch aus dem gesamten klinischen Zusammenhang und weiteren Befunden.

Herzinfarkt ohne ST-Strecken-Hebung

In Arztbriefen kann stehen:

NSTEMI (Herzinfarkt ohne ST-Strecken-Hebung – Herzinfarkt ohne das für die andere Herzinfarktform typische anhaltende Hebungsmuster in der Herzstrommessung).

Auch hierbei liegt ein Herzinfarkt mit akuter Herzmuskelschädigung vor.

Ein Herzinfarkt ohne ST-Strecken-Hebung ist nicht automatisch ein „kleiner“ oder „leichter“ Herzinfarkt.

Die Bezeichnung hilft bei der Einordnung des akuten Krankheitsbildes und des Behandlungswegs. Sie ist keine einfache Schweregradangabe.

Zwei unterschiedliche Einteilungen

Vereinfacht:

Einteilung nach ST-Strecken-Hebung

Sie beschreibt eine besonders wichtige Befundkonstellation der Herzstrommessung und hilft bei der frühen Akutentscheidung.

Einteilung nach Typ 1 oder Typ 2

Sie beschreibt den Mechanismus, durch den der Herzinfarkt entstanden ist.

Deshalb ist diese Gleichsetzung falsch:

„Typ 1 = Herzinfarkt mit ST-Strecken-Hebung und Typ 2 = Herzinfarkt ohne ST-Strecken-Hebung.“

Die Einteilungen beantworten unterschiedliche medizinische Fragen.

Was ist Troponin?

Troponin ist ein Eiweißbestandteil von Muskelzellen.

Bestimmte kardiale Troponine werden genutzt, um eine Schädigung von Herzmuskelzellen im Blut nachzuweisen.

Bei einer akuten Herzmuskelschädigung können die Werte ansteigen beziehungsweise einen charakteristischen Verlauf zeigen.

Moderne hochsensitive Troponintests sind deshalb ein zentraler Bestandteil der Herzinfarktdiagnostik.

Troponin und Diagnose

Ein erhöhter kardialer Troponinwert zeigt zunächst eine Schädigung von Herzmuskelzellen. Für die Diagnose Herzinfarkt müssen zusätzlich Hinweise auf eine akute Minderdurchblutung vorliegen. Andere Erkrankungen oder Belastungen des Herzens können Troponin ebenfalls erhöhen.

Erhöhtes Troponin bedeutet Herzmuskelschädigung – nicht automatisch Herzinfarkt.

Mehrere Messungen, der Zeitpunkt des Beschwerdebeginns, das EKG und weitere Befunde werden gemeinsam beurteilt. Bei einer eindeutig zeitkritischen Befundkonstellation darf eine notwendige Akutbehandlung nicht auf spätere Laborveränderungen warten.

Welche Beschwerden können auftreten?

Mögliche Zeichen sind Schmerzen, Druck oder Enge im Brustkorb, Ausstrahlung, Atemnot, Übelkeit, kalter Schweiß, ausgeprägte Schwäche, Schwindel oder Bewusstlosigkeit. Nicht alle Beschwerden müssen gleichzeitig auftreten.

Ein Herzinfarkt kann auch ohne starke Brustschmerzen verlaufen. Frauen, ältere Menschen sowie Menschen mit Diabetes oder Herzschwäche zeigen statistisch häufiger weniger typische Beschwerdebilder; daraus entsteht jedoch kein verlässliches „Frauen-“ oder „Männermuster“.

Ein Herzinfarkt darf nicht zuhause anhand von Geschlecht, Alter oder einer Symptomenliste ausgeschlossen werden.

Auch ein zurückliegender, zunächst unbemerkter Infarkt lässt sich nur aus Vorgeschichte und Untersuchungsbefunden einordnen.

Wie wird ein Herzinfarkt festgestellt und wie stark wurde das Herz geschädigt?

Die Diagnose entsteht aus Beschwerden und Verlauf, EKG, Troponin, Überwachung und – je nach Situation – Herzultraschall und Darstellung der Herzkranzgefäße.

Nach einem Infarkt helfen Herzultraschall und Ejektionsfraktion, Pumpfunktion, regionale Bewegungsstörungen und mögliche Komplikationen zu beurteilen. Ein einzelner Wert zeigt jedoch weder die gesamte Herzfunktion noch exakt, wie viel Herzmuskel geschädigt wurde.

Die Koronarangiografie zeigt, welches Herzkranzgefäß betroffen ist und ob eine Katheterbehandlung möglich ist. Lage und Ausmaß des Infarkts ergeben sich erst aus mehreren Befunden gemeinsam.

Akutbehandlung: Blutfluss wiederherstellen

Reperfusion

Reperfusion bedeutet:

Die Blutversorgung eines zuvor unzureichend durchbluteten Gewebes wird wiederhergestellt.

Beim Herzinfarkt ist das Ziel, den Blutfluss zum gefährdeten Herzmuskel möglichst schnell wieder zu verbessern.

Eine wichtige Methode dafür ist die Katheterbehandlung. Dabei kann eine Engstelle oder ein Verschluss mit Ballon und häufig einem Stent behandelt werden.

Ein Stent repariert bereits abgestorbenes Herzmuskelgewebe nicht.

Ziel ist, weiteren Herzmuskelschaden zu begrenzen. Ob eine Katheterbehandlung passt, hängt von Mechanismus, Gefäßbefund und Kreislaufsituation ab. Bei einem Typ-2-Herzinfarkt kann die Behandlung grundlegend anders aussehen als beim klassischen Typ-1-Herzinfarkt.

Herzinfarkt bedeutet deshalb nicht automatisch Stent.

Herzinfarkt ohne blockierende große Herzkranzgefäße

Ja.

Bei manchen Menschen besteht zunächst die Arbeitsdiagnose:

MINOCA (Herzinfarkt mit nicht blockierend verengten Herzkranzgefäßen – besondere diagnostische Situation ohne nachgewiesene relevante blockierende Verengung eines großen Herzkranzgefäßes).

Wichtig ist:

MINOCA (Herzinfarkt mit nicht blockierend verengten Herzkranzgefäßen) ist zunächst eine Arbeitsdiagnose und nicht automatisch die endgültige Ursache.

Hinter dieser Befundkonstellation können unterschiedliche koronare und nichtkoronare Ursachen stehen. Weitere Untersuchungen sind deshalb notwendig, um die tatsächliche Ursache festzustellen und die Behandlung daran auszurichten.

Patavio verwendet diese Abkürzung nur dort, wo sie als Arztbriefbegriff erklärt wird.

Kann sich der Herzmuskel nach einem Infarkt erholen?

Das hängt davon ab, wie stark das Gewebe geschädigt wurde.

Herzmuskelgewebe, das vorübergehend stark beeinträchtigt, aber noch lebensfähig ist, kann sich nach Wiederherstellung der Blutversorgung teilweise erholen.

Herzmuskelzellen, die durch den Infarkt dauerhaft zugrunde gegangen sind, werden dagegen im Heilungsprozess durch Narbengewebe ersetzt.

Wie gut sich die Herzfunktion insgesamt erholt, ist deshalb individuell unterschiedlich.

Mögliche Folgen und Komplikationen

Erholung des Herzmuskels

Infarktnarbe

Nach einem Herzinfarkt kann im dauerhaft geschädigten Bereich Narbengewebe zurückbleiben.

Eine solche Narbe kann:

  • die Bewegung eines Herzmuskelbereichs verändern,
  • die Pumpfunktion beeinflussen,
  • und bei manchen Menschen für spätere Herzrhythmusstörungen relevant sein.

Wie bedeutsam eine Narbe ist, hängt unter anderem von Lage, Größe und übriger Herzfunktion ab.

Herzschwäche

Wenn durch einen Herzinfarkt ausreichend viel Herzmuskel geschädigt wird, kann die Pumpfunktion des Herzens beeinträchtigt werden.

Dadurch kann eine Herzschwäche entstehen oder eine bestehende Herzschwäche sich verschlechtern.

Aber:

Nicht jeder Mensch entwickelt nach einem Herzinfarkt eine Herzschwäche.

Die Pumpfunktion wird deshalb nach einem Infarkt gezielt beurteilt.

Herzrhythmusstörungen

Ein Herzinfarkt kann die elektrische Stabilität des Herzens beeinträchtigen.

Dadurch können unterschiedliche Herzrhythmusstörungen auftreten.

Einige davon können lebensbedrohlich sein.

Aus diesem Grund wird der Herzrhythmus nach einem akuten Herzinfarkt überwacht.

Herzinfarkt und Herz-Kreislauf-Stillstand sind nicht dasselbe

Das wird häufig verwechselt.

Herzinfarkt

Ein Bereich des Herzmuskels wird durch eine akute Minderdurchblutung geschädigt.

Das Herz kann währenddessen weiterhin schlagen und Kreislauf erzeugen.

Herz-Kreislauf-Stillstand

Es besteht keine ausreichende Kreislauffunktion mehr.

Der Mensch ist bewusstlos und atmet nicht normal.

Ein Herzinfarkt kann gefährliche Herzrhythmusstörungen und dadurch einen Herz-Kreislauf-Stillstand auslösen.

Aber:

Herzinfarkt und Herz-Kreislauf-Stillstand sind zwei unterschiedliche Begriffe und Situationen.

Welche weiteren Komplikationen sind möglich?

Ein Herzinfarkt kann je nach Ausmaß und betroffener Region unterschiedliche Folgen haben.

Dazu gehören beispielsweise:

  • Herzrhythmusstörungen,
  • Herzschwäche,
  • Kreislaufversagen beziehungsweise kardiogener Schock,
  • erneute akute Durchblutungsstörungen,
  • weitere Herzinfarkte,
  • und selten mechanische Schäden an Herzstrukturen.

Kardiogener Schock

Ein kardiogener Schock ist eine lebensbedrohliche Situation.

Dabei kann das Herz den Kreislauf nicht mehr ausreichend aufrechterhalten.

Organe erhalten dadurch nicht genügend Blut und Sauerstoff.

Ein schwerer Herzinfarkt kann eine Ursache eines solchen Kreislaufversagens sein.

Das ist eine intensivmedizinische Notfallsituation und kein anderer Begriff für eine gewöhnliche „Kreislaufschwäche“.

Medikamente, Rehabilitation und Belastung

Nach einem Herzinfarkt werden Medikamente, Kontrollen und Vorbeugung an Ursache, Gefäßbefund, Herzfunktion und weitere Risiken angepasst.

Nach einem Stent verordnete Medikamente nicht eigenmächtig absetzen oder verändern.

Bei Blutungen, geplanten Operationen oder Unverträglichkeiten muss das Behandlungsteam einbezogen werden. Nach der Akutphase helfen Rehabilitation und ein individuell gesteigerter Belastungsaufbau bei der Rückkehr in den Alltag; eine feste Frist für alle gibt es nicht.

„Zustand nach Herzinfarkt“, „alter Infarkt“ und „Infarktnarbe“ bezeichnen ein zurückliegendes Ereignis oder seine Folgen – keinen neuen akuten Herzinfarkt.

Typische Begriffe und Befundbeispiele

Wichtige Begriffe im Arztbrief

Myokardinfarkt

Medizinischer Begriff für Herzinfarkt.

Myokard = Herzmuskel.

Typ-1-Herzinfarkt

Herzinfarkt, der typischerweise durch eine akute Veränderung einer atherosklerotischen Ablagerung mit Blutgerinnselbildung in einem Herzkranzgefäß entsteht.

Typ-2-Herzinfarkt

Herzinfarkt durch ein akutes Missverhältnis zwischen Sauerstoffangebot und Sauerstoffbedarf des Herzmuskels ohne den für Typ 1 typischen akuten atherothrombotischen Mechanismus.

Troponin

Blutmarker zur Erkennung einer Schädigung von Herzmuskelzellen.

Ein erhöhter Wert bedeutet nicht automatisch Herzinfarkt.

Koronarangiografie

Darstellung der Herzkranzgefäße mit Kontrastmittel, im akuten Herzinfarkt häufig über einen Herzkatheter.

PCI (perkutane Koronarintervention – Katheterbehandlung eines Herzkranzgefäßes)

Behandlung eines Herzkranzgefäßes mit einem Katheter, beispielsweise mit Ballon und Stent.

Reperfusion

Wiederherstellung beziehungsweise deutliche Verbesserung der Blutversorgung.

Stent

Kleine Gefäßstütze, die einen behandelten Gefäßabschnitt offen halten soll.

Infarktnarbe

Narbengewebe in einem dauerhaft geschädigten Herzmuskelbereich nach einem zurückliegenden Infarkt.

Ejektionsfraktion

Anteil des Blutes, den eine Herzkammer mit einem Herzschlag auswirft. Im Herzbefund ist damit häufig die Auswurffunktion der linken Herzkammer gemeint.

MINOCA (Herzinfarkt mit nicht blockierend verengten Herzkranzgefäßen – zunächst Arbeitsdiagnose)

Besondere diagnostische Situation, bei der ein Herzinfarkt vermutet beziehungsweise diagnostisch eingeordnet wird, ohne dass eine relevante blockierende Verengung eines großen Herzkranzgefäßes nachgewiesen wird.

Die zugrunde liegende Ursache muss weiter untersucht werden.

Befundbeispiel 1

Im Arztbrief steht:

„NSTEMI bei bekannter KHK, PCI mit Stent.“

Patavio erklärt:

NSTEMI

bei bekannter

KHK (koronare Herzkrankheit – Erkrankung der Herzkranzgefäße).

Zusätzlich wurde eine

PCI

durchgeführt und ein Stent eingesetzt.

Aus diesem einen Satz lässt sich noch nicht sicher ableiten:

  • welches Herzkranzgefäß betroffen war,
  • wie groß die Herzmuskelschädigung ist,
  • wie gut das Herz jetzt pumpt,
  • wie viele weitere Gefäßveränderungen vorhanden sind,
  • oder welche langfristige Behandlung individuell erforderlich ist.

Zweites Befundbeispiel

Im Arztbrief steht:

„Troponinerhöhung bei Typ-2-Myokardinfarkt.“

Das bedeutet nicht:

„Das war nur ein leichter Herzinfarkt.“

Sondern:

  • Herzmuskel wurde akut geschädigt,
  • es lagen Hinweise auf eine akute Minderdurchblutung vor,
  • der zugrunde liegende Mechanismus wurde als Typ 2 eingeordnet,
  • also nicht als klassischer akuter atherothrombotischer Typ-1-Mechanismus.

Welche konkrete Erkrankung oder Belastung das Missverhältnis zwischen Sauerstoffangebot und Sauerstoffbedarf ausgelöst hat, muss aus den weiteren Befunden hervorgehen.

Befundbeispiel 2

Im Arztbrief steht:

„Z. n. Vorderwandinfarkt, Ejektionsfraktion 45 %.“

Patavio erklärt:

Z. n. (Zustand nach – früher stattgefundenem) Vorderwandinfarkt.

Der Herzinfarkt betraf beziehungsweise betraf wahrscheinlich einen Bereich der vorderen Herzwand.

Die angegebene Ejektionsfraktion beschreibt die Auswurffunktion der untersuchten Herzkammer, in diesem Zusammenhang typischerweise der linken Herzkammer.

Aus diesem Satz allein lässt sich aber noch nicht die gesamte Herzfunktion oder die aktuelle Behandlung ableiten.

Fragen, Patavio-Wege und Merksatz

Fragen für das Arztgespräch

Nach der Akutbehandlung können beispielsweise diese Fragen hilfreich sein:

  1. Welche Art von Herzinfarkt hatte ich?
  2. War es ein Typ-1- oder Typ-2-Herzinfarkt – und was war die Ursache?
  3. Welches Herzkranzgefäß beziehungsweise welche Herzregion war betroffen?
  4. Wurde ein Stent eingesetzt – und wenn ja, wo?
  5. Wie stark wurde mein Herzmuskel geschädigt?
  6. Wie gut ist die Pumpfunktion meines Herzens?
  7. Gibt es Hinweise auf eine Infarktnarbe?
  8. Welche Medikamente muss ich jetzt einnehmen und wie lange?
  9. Welche Medikamente darf ich keinesfalls eigenmächtig absetzen?
  10. Welche Kontrollen sind geplant?
  11. Ist eine kardiologische Rehabilitation vorgesehen?
  12. Wann und wie darf ich meine körperliche Belastung steigern?
  13. Welche Beschwerden wären erneut ein Notfall?
  14. Was kann ich tun, um das Risiko eines weiteren Herzinfarkts zu senken?

Was Patavio beim Herzinfarkt bewusst nicht macht

Patavio entscheidet nicht:

  • Ihre Beschwerden als sicheren Herzinfarkt einordnen.
  • Aus einem einzelnen Troponinwert die Größe eines Herzinfarkts ableiten.
  • Einen Herzinfarkt ohne ST-Strecken-Hebung pauschal als klein einordnen.
  • Typ 2 pauschal als weniger gefährlich als Typ 1 einordnen.
  • entscheiden, ob Sie einen Stent benötigen.

Stattdessen erklärt Patavio Begriffe, Zusammenhänge und Untersuchungsergebnisse.

Die individuelle Akutdiagnostik und Behandlung gehört in medizinische Hände.

Patavio-Merksatz

Bei einem Herzinfarkt wird Herzmuskel durch eine akute Minderdurchblutung geschädigt. Nicht jeder Herzinfarkt entsteht auf dieselbe Weise. Einteilungen nach ST-Strecken-Hebung und nach Typ 1 oder Typ 2 beschreiben unterschiedliche medizinische Aspekte. Beschwerden, Herzstrommessung, Troponin und weitere Befunde müssen gemeinsam beurteilt werden. Bei Verdacht auf Herzinfarkt gilt sofort 112.

Notruf 112 anrufen