Wenn das Herz den Körper nicht mehr ausreichend versorgen kann oder sich Blut zurückstaut
Herzschwäche ist die allgemein verständliche Bezeichnung für Herzinsuffizienz.
Dabei kann das Herz seine Aufgabe nicht mehr so erfüllen, wie der Körper es benötigt. Das kann bedeuten:
- Das Herz kann nicht ausreichend Blut in den Kreislauf weiterpumpen.
- Das Herz kann sich nicht ausreichend mit Blut füllen.
- Im Herzen entstehen erhöhte Füllungsdrücke.
- Blut und Flüssigkeit können sich vor dem Herzen zurückstauen.
Herzschwäche ist deshalb mehr als eine reine „Pumpenschwäche“.
Herzschwäche bedeutet nicht, dass das Herz aufgehört hat zu schlagen.
Das Wichtigste zuerst
Herzschwäche kann sich langsam entwickeln. Sie kann sich aber auch innerhalb kurzer Zeit deutlich verschlechtern.
Plötzlich schwere Atemnot, starke oder neu auftretende Brustbeschwerden, Bewusstlosigkeit oder eine andere akut lebensbedrohliche Verschlechterung: sofort 112 wählen.
Eine bekannte Herzschwäche macht neue schwere Beschwerden nicht automatisch harmlos.
Besonders ernst genommen werden müssen beispielsweise:
- plötzlich starke Atemnot,
- Atemnot bereits in Ruhe mit deutlicher Verschlechterung,
- Bewusstlosigkeit,
- ausgeprägte Kreislaufprobleme,
- starke Brustbeschwerden,
- oder eine sehr schnelle schwere Verschlechterung des Allgemeinzustands.
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Was bedeutet Herzschwäche?
Wie arbeitet ein gesundes Herz?
Das Herz nimmt Blut auf und pumpt es weiter. Dabei müssen zwei Dinge funktionieren:
Füllen und Pumpen
Die Herzkammern entspannen sich und nehmen Blut auf.
Das Herz muss das Blut ausreichend weiterpumpen können
Die Herzkammern ziehen sich zusammen und befördern Blut in Lunge beziehungsweise Körperkreislauf.
Eine Herzschwäche kann entstehen, wenn eine oder mehrere dieser Funktionen gestört sind.
Herzschwäche ist nicht immer nur eine Pumpstörung
Das ist einer der wichtigsten Punkte dieser Seite.
Viele Menschen verbinden Herzschwäche automatisch mit:
„Das Herz pumpt zu wenig.“
Das kann stimmen.
Es gibt aber auch Menschen mit Herzschwäche, deren gemessener Anteil des ausgeworfenen Blutes nicht vermindert ist. Bei ihnen kann beispielsweise die Füllung beziehungsweise Entspannung der Herzkammer gestört sein oder es bestehen erhöhte Drücke im Herzen.
Eine normale oder erhaltene Ejektionsfraktion schließt eine Herzschwäche nicht aus.
Ejektionsfraktion und Formen der Herzschwäche
Reduzierte Ejektionsfraktion
Die Ejektionsfraktion beschreibt, welcher Anteil des Blutes in einer Herzkammer bei einem Herzschlag ausgeworfen wird.
Wenn Ärztinnen und Ärzte bei Herzschwäche über die Ejektionsfraktion sprechen, ist häufig die linke Herzkammer gemeint.
Beispiel:
Befinden sich vor dem Zusammenziehen 100 Milliliter Blut in der Herzkammer und werden 55 Milliliter ausgeworfen, entspräche dies rechnerisch einer Ejektionsfraktion von 55 Prozent.
Das bedeutet aber nicht, dass das Herz nur „zu 55 Prozent funktioniert“.
Die Ejektionsfraktion ist ein Messwert – keine Prozentangabe für die gesamte Leistungsfähigkeit oder Gesundheit des Herzens.
Welche Formen der Herzschwäche gibt es?
Nach dem derzeit verfügbaren europäischen Leitlinienstand wird Herzschwäche unter anderem anhand der Ejektionsfraktion der linken Herzkammer eingeteilt.
Herzschwäche mit reduzierter Ejektionsfraktion
Dabei beträgt die Ejektionsfraktion der linken Herzkammer 40 Prozent oder weniger.
Die Auswurffunktion ist deutlich vermindert.
Leicht reduzierte Ejektionsfraktion
Dabei liegt die Ejektionsfraktion nach dem derzeit verwendeten Leitlinienstand bei 41 bis 49 Prozent.
Die Auswurffunktion ist leicht vermindert.
Erhaltene Ejektionsfraktion
Dabei beträgt die Ejektionsfraktion 50 Prozent oder mehr.
Für die Diagnose reicht dieser Wert allein jedoch nicht. Zusätzlich müssen Beschwerden beziehungsweise Zeichen einer Herzschwäche und objektive Hinweise auf eine entsprechende strukturelle oder funktionelle Herzstörung vorliegen.
„Erhaltene Ejektionsfraktion“ bedeutet nicht „gesundes Herz“.
Wichtig: Diese Grenzwerte werden bei einer späteren fachlichen Überarbeitung gegen den dann tatsächlich veröffentlichten und prüfbaren Leitlinienstand erneut geprüft.
Kann sich die Ejektionsfraktion verbessern?
Ja.
Bei manchen Menschen verbessert sich eine zuvor verminderte Ejektionsfraktion unter Behandlung oder nach Behandlung einer Ursache deutlich.
Das bedeutet jedoch nicht automatisch:
„Die Herzschwäche ist vollständig geheilt und alle Medikamente können abgesetzt werden.“
Eine bessere Ejektionsfraktion ist ein wichtiger Befund – aber kein Freibrief zum eigenmächtigen Absetzen der Behandlung.
Ob und wie eine Therapie verändert werden kann, entscheidet das behandelnde Team anhand des gesamten Krankheitsverlaufs.
Welche Beschwerden kann eine Herzschwäche verursachen?
Typische Beschwerden können sein:
- Atemnot bei Belastung,
- zunehmende Atemnot,
- geringere körperliche Belastbarkeit,
- ungewöhnlich schnelle Erschöpfung,
- Müdigkeit,
- geschwollene Füße oder Unterschenkel,
- Gewichtszunahme durch Flüssigkeit,
- Atemnot beim flachen Liegen,
- nächtliches Erwachen wegen Atemnot,
- Herzklopfen,
- Schwindel,
- oder allgemeine Leistungsminderung.
Die Beschwerden allein reichen jedoch nicht für die Diagnose aus.
Beschwerden und Verschlechterung erkennen
Atemnot
Bei einer Herzschwäche kann sich Blut vor dem linken Herzen zurückstauen. Dadurch kann der Druck in den Lungengefäßen steigen. Flüssigkeit kann sich im Lungengewebe ansammeln beziehungsweise die normale Funktion der Lunge beeinträchtigen.
Das kann Atemnot verursachen.
Atemnot kann aber viele andere Ursachen haben – beispielsweise Erkrankungen der Lunge, Blutarmut, Infektionen oder andere Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Atemnot ist deshalb ein wichtiges Symptom, aber keine Diagnose „Herzschwäche“.
Geschwollene Beine und Füße
Wenn sich Blut im venösen Kreislauf zurückstaut, kann Flüssigkeit aus den Blutgefäßen in das Gewebe übertreten.
Dadurch können Ödeme entstehen.
Ödem bedeutet: Flüssigkeitsansammlung im Gewebe.
Häufig fallen solche Schwellungen zunächst an Knöcheln, Füßen oder Unterschenkeln auf.
Auch Ödeme können viele andere Ursachen haben.
Geschwollene Beine bedeuten nicht automatisch Herzschwäche.
Warum kann das Gewicht plötzlich steigen?
Wenn der Körper Wasser zurückhält, kann das Körpergewicht innerhalb relativ kurzer Zeit zunehmen.
Bei Menschen mit bekannter Herzschwäche kann eine ungewöhnlich schnelle Gewichtszunahme deshalb ein Hinweis auf zunehmende Flüssigkeitseinlagerung sein.
Sie muss jedoch im Zusammenhang mit Atemnot, Schwellungen, Trinkmenge, Medikamenten, Nierenfunktion, Ernährung und persönlichem Verlauf beurteilt werden.
Patavio gibt deshalb keinen universellen Kilogramm-Grenzwert, ab dem jede Person automatisch dieselbe Maßnahme ergreifen soll.
Bei bekannter Herzschwäche sollte mit dem behandelnden Team vereinbart sein, welche Gewichts- oder Beschwerdeveränderungen gemeldet werden sollen.
Schnelle Gewichtszunahme
Dekompensation
In Arztbriefen steht häufig:
dekompensierte Herzinsuffizienz
Das bedeutet:
Eine bestehende oder neu aufgetretene Herzschwäche ist so aus dem Gleichgewicht geraten, dass Beschwerden beziehungsweise Flüssigkeitsstau deutlich zunehmen und eine intensivere Behandlung notwendig wird.
Mögliche Zeichen können beispielsweise sein:
- zunehmende Atemnot,
- Atemnot in Ruhe,
- stärkere Beinödeme,
- rasche Flüssigkeitszunahme,
- deutlich geringere Belastbarkeit,
- oder eine Verschlechterung der Kreislaufsituation.
Wann wird eine Verschlechterung zum Notfall?
Nicht jede Gewichtszunahme oder jedes geschwollene Bein verlangt den Rettungsdienst.
Aber:
Plötzlich schwere Atemnot, Bewusstlosigkeit, schwere Kreislaufprobleme oder starke Brustbeschwerden gehören in die Notfallversorgung – 112.
Bei einer weniger dramatischen, aber klar zunehmenden Verschlechterung einer bekannten Herzschwäche sollte zeitnah medizinischer Kontakt aufgenommen werden.
Patavio ersetzt dabei nicht den individuell vereinbarten Notfall- oder Behandlungsplan.
Linksherzschwäche und Rechtsherzschwäche
Die Begriffe beschreiben, welcher Teil des Herzens besonders betroffen beziehungsweise welche Rückstau-Situation ausgeprägt ist.
Linksherzschwäche
Ist besonders das linke Herz betroffen, kann sich Blut in Richtung Lunge zurückstauen. Atemnot kann dadurch ein wichtiges Symptom sein.
Rechtsherzschwäche
Ist besonders das rechte Herz betroffen, kann sich Blut stärker in den Körpervenen zurückstauen. Dadurch können beispielsweise Beinödeme, Flüssigkeitseinlagerungen, gestaute Halsvenen oder Flüssigkeitsansammlungen im Bauchraum auftreten.
Beide Seiten des Herzens arbeiten jedoch zusammen.
Links- und Rechtsherzschwäche sind deshalb keine vollkommen voneinander getrennten Erkrankungen.
Welche Ursachen kann Herzschwäche haben?
Herzschwäche ist häufig das Ergebnis einer anderen Herzerkrankung oder Belastung des Herzens.
Mögliche Ursachen beziehungsweise zugrunde liegende Erkrankungen sind unter anderem:
- koronare Herzkrankheit,
- zurückliegender oder akuter Herzinfarkt,
- langjähriger Bluthochdruck,
- Herzklappenerkrankungen,
- Herzmuskelerkrankungen,
- Herzmuskelentzündung,
- bestimmte Herzrhythmusstörungen,
- angeborene Herzerkrankungen,
- Ablagerungserkrankungen wie kardiale Amyloidose,
- toxische oder medikamentöse Schädigungen des Herzmuskels,
- sowie weitere Herz- und Systemerkrankungen.
Herzinfarkt
Bei einem Herzinfarkt kann Herzmuskel dauerhaft geschädigt werden.
Wenn dadurch die Pumpfunktion ausreichend beeinträchtigt wird, kann eine Herzschwäche entstehen.
Aber:
Nicht jeder Herzinfarkt führt zu Herzschwäche.
Umgekehrt kann eine Herzschwäche auch ganz andere Ursachen haben.
Bluthochdruck
Über Jahre erhöhter Blutdruck kann das Herz dauerhaft stärker belasten. Der Herzmuskel kann sich dadurch verändern und verdicken. Später können sowohl die Entspannung und Füllung als auch die Pumpfunktion beeinträchtigt sein.
Bluthochdruck und das Herz verstehen →
Herzklappenerkrankungen
Herzklappen steuern die Flussrichtung des Blutes.
Ist eine Klappe stark verengt oder schließt sie nicht ausreichend, muss das Herz unter veränderten Druck- oder Volumenbedingungen arbeiten. Eine schwere Herzklappenerkrankung kann dadurch zu Herzschwäche führen oder eine bestehende Herzschwäche verschlechtern.
Herzklappenerkrankungen verstehen →
Herzmuskelerkrankungen
Bei einer Kardiomyopathie ist der Herzmuskel selbst erkrankt beziehungsweise strukturell verändert.
Je nach Form können Pumpfunktion, Füllung, Wanddicke, Herzrhythmus oder Größe der Herzkammern verändert sein.
Herzmuskelerkrankungen verstehen →
Kardiale Amyloidose
Bei einer kardialen Amyloidose lagern sich bestimmte fehlgefaltete Eiweiße im Herzen ab. Dadurch kann der Herzmuskel steifer werden und sich schlechter füllen.
Eine Herzschwäche mit erhaltener Ejektionsfraktion kann eine mögliche Erscheinungsform sein.
Die Diagnose ergibt sich aber niemals allein aus einer erhaltenen Ejektionsfraktion oder einer verdickten Herzwand.
Wie wird Herzschwäche festgestellt?
Herzschwäche wird nicht anhand eines einzelnen Symptoms oder eines einzelnen Messwerts diagnostiziert. Entscheidend ist das Zusammenspiel aus Beschwerden, Untersuchung, EKG, Blutwerten, Herzultraschall und der Suche nach der Ursache.
Der Herzultraschall zeigt weit mehr als die Ejektionsfraktion: unter anderem Größe, Wanddicke, Pumpbewegung, Klappen, rechte Herzhälfte und Hinweise auf veränderte Füllungsdrücke.
BNP und NT-proBNP unterstützen die Einordnung, können aber auch durch Alter, Vorhofflimmern, Nierenfunktion, starkes Übergewicht und weitere Faktoren beeinflusst werden.
Ein erhöhter BNP- oder NT-proBNP-Wert beweist allein keine Herzschwäche.
Wie wird Herzschwäche behandelt?
Die Behandlung verfolgt mehrere Ziele:
- Beschwerden lindern,
- Flüssigkeitsstau reduzieren,
- Krankenhausaufenthalte vermeiden,
- das Fortschreiten der Erkrankung bremsen,
- das Risiko schwerer Herz-Kreislauf-Ereignisse reduzieren,
- Lebensqualität und Belastbarkeit verbessern,
- und die zugrunde liegende Ursache behandeln.
Welche Behandlung sinnvoll ist, hängt unter anderem von Ursache, Ejektionsfraktion, Beschwerden, Blutdruck, Nierenfunktion, Herzrhythmus, Begleiterkrankungen, Alter und individueller Verträglichkeit ab.
Die Behandlung unterscheidet sich teilweise zwischen den verschiedenen Formen der Herzschwäche. SGLT2-Hemmer haben inzwischen bei mehreren Formen einen festen Stellenwert und können auch ohne Diabetes eingesetzt werden. Bei Flüssigkeitsstau können Diuretika die Ausscheidung von Salz und Wasser fördern und Beschwerden lindern.
Entwässerungsmedikamente nicht aufgrund einer selbst festgelegten Gewichtszahl eigenmächtig verändern, sofern dafür kein individueller ärztlicher Plan vereinbart wurde.
Nierenwerte und Kalium
Herz und Nieren beeinflussen sich gegenseitig.
Außerdem können verschiedene Medikamente gegen Herzschwäche Nierenfunktion, Kalium, Blutdruck oder Flüssigkeitshaushalt beeinflussen.
Deshalb gehören regelmäßige Blutkontrollen bei vielen Behandlungsformen zur sicheren Therapie.
Eine vorübergehende Veränderung eines einzelnen Nierenwerts bedeutet dabei nicht automatisch, dass jede Herzmedikation beendet werden muss.
Solche Entscheidungen benötigen den medizinischen Gesamtzusammenhang.
Geräte
Ja – bei bestimmten Menschen.
Je nach Herzfunktion, Herzrhythmus und elektrischer Erregungsleitung können spezielle Geräte sinnvoll sein.
Dazu gehören beispielsweise:
- bestimmte Herzschrittmachersysteme, die die Herzkammern wieder besser aufeinander abstimmen,
- oder implantierte Defibrillatoren, die gefährliche Herzrhythmusstörungen erkennen und behandeln können.
Nicht jede Herzschwäche benötigt ein solches Gerät.
Die Entscheidung hängt von klaren medizinischen Kriterien ab.
Operationen
Es gibt nicht die eine „Operation gegen Herzschwäche“.
Wenn eine behandelbare Ursache vorliegt, kann jedoch eine gezielte interventionelle oder operative Behandlung sinnvoll sein.
Beispiele können sein:
- Behandlung einer schweren Herzklappenerkrankung,
- Behandlung bestimmter Erkrankungen der Herzkranzgefäße,
- bestimmte Rhythmuseingriffe,
- oder bei sehr fortgeschrittener Herzschwäche spezielle mechanische Kreislaufunterstützung beziehungsweise Herztransplantation.
Welche Behandlung infrage kommt, hängt von Ursache und Stadium ab.
Fortgeschrittene Herzschwäche
Bei manchen Menschen bleibt die Herzschwäche trotz optimaler Behandlung schwer ausgeprägt.
Dann können:
- Beschwerden bereits bei sehr geringer Belastung oder in Ruhe bestehen,
- wiederholte Krankenhausaufenthalte notwendig sein,
- Organfunktionen beeinträchtigt werden,
- und spezialisierte Therapieoptionen geprüft werden.
Eine fortgeschrittene Herzschwäche wird anhand mehrerer Kriterien beurteilt und nicht allein anhand der Ejektionsfraktion.
Wie wird die Belastbarkeit eingeschätzt?
Die NYHA-Klasse (New York Heart Association – Belastungsklasse) beschreibt ärztlich, wie stark Beschwerden die körperliche Belastbarkeit einschränken.
NYHA-Klasse I
Die Herzerkrankung führt bei üblicher körperlicher Belastung nicht zu typischen Beschwerden.
NYHA-Klasse II
Bei normaler beziehungsweise stärkerer Alltagsbelastung können Beschwerden auftreten.
NYHA-Klasse III
Bereits geringe körperliche Belastung kann Beschwerden auslösen.
NYHA-Klasse IV
Beschwerden können bereits in Ruhe bestehen beziehungsweise jede körperliche Aktivität deutlich verstärken.
Diese Einteilung beschreibt die Symptom- und Belastungssituation.
Sie ist keine direkte Prozentangabe über Pumpfunktion oder Lebenserwartung.
Pumpmesswert und Beschwerdeklasse sind nicht dasselbe
Eine Person kann eine deutlich verminderte Ejektionsfraktion haben und unter guter Behandlung relativ wenige Beschwerden verspüren.
Eine andere Person kann trotz erhaltener Ejektionsfraktion erheblich eingeschränkt sein.
Deshalb gilt:
Die Ejektionsfraktion beschreibt einen Messwert der Herzfunktion. Die NYHA-Klasse (New York Heart Association – Belastungsklasse) beschreibt die Beschwerden bei körperlicher Belastung.
Beides darf nicht gleichgesetzt werden.
Typische Begriffe und Befundbeispiele
Typische Begriffe im Arztbrief
Herzinsuffizienz
Medizinischer Begriff für Herzschwäche.
Ejektionsfraktion
Anteil des Blutes, den eine Herzkammer bei einem Herzschlag auswirft.
LVEF (linksventrikuläre Ejektionsfraktion – Auswurffraktion der linken Herzkammer)
Messwert für den Anteil des Blutes, den die linke Herzkammer bei einem Herzschlag auswirft.
HFrEF (Herzinsuffizienz mit reduzierter Ejektionsfraktion – Herzschwäche mit deutlich verminderter Auswurffunktion)
Nach dem für diese Fassung verwendeten europäischen Leitlinienstand liegt die Ejektionsfraktion der linken Herzkammer bei 40 Prozent oder weniger.
HFmrEF (Herzinsuffizienz mit leicht reduzierter Ejektionsfraktion – Herzschwäche mit leicht verminderter Auswurffunktion)
Nach dem für diese Fassung verwendeten europäischen Leitlinienstand liegt die Ejektionsfraktion bei 41 bis 49 Prozent.
HFpEF (Herzinsuffizienz mit erhaltener Ejektionsfraktion – Herzschwäche trotz nicht verminderter Auswurffraktion)
Nach dem für diese Fassung verwendeten europäischen Leitlinienstand liegt die Ejektionsfraktion bei 50 Prozent oder mehr; für die Diagnose sind zusätzliche objektive Hinweise auf eine Herzfunktionsstörung erforderlich.
Dekompensation
Akute beziehungsweise deutliche Verschlechterung einer Herzschwäche, bei der der bisherige Zustand nicht mehr ausreichend ausgeglichen ist.
Ödem
Flüssigkeitsansammlung im Gewebe.
Kongestion
Medizinischer Begriff für eine Stauung beziehungsweise Flüssigkeitsüberlastung, beispielsweise in Lunge oder Körpervenen.
BNP (B-Typ-natriuretisches Peptid – Blutmarker für Herzbelastung)
Ein Laborwert, der bei Belastung der Herzwände ansteigen kann. Ein erhöhter Wert allein beweist keine Herzschwäche.
NT-proBNP (N-terminales pro-B-Typ-natriuretisches Peptid – Blutmarker zur Unterstützung der Herzschwäche-Diagnostik)
Ein häufig verwendeter Laborwert bei Verdacht oder Verlaufskontrolle einer Herzschwäche. Auch dieser Wert muss im medizinischen Zusammenhang interpretiert werden.
Befundbeispiel 1
In einem Arztbrief könnte stehen:
„Herzinsuffizienz mit reduzierter Ejektionsfraktion, LVEF (linksventrikuläre Ejektionsfraktion – Auswurffraktion der linken Herzkammer) 35 %.“
Das bedeutet:
- Es wurde eine Herzschwäche diagnostiziert.
- Die Auswurffunktion der linken Herzkammer ist vermindert.
- Der angegebene Messwert beträgt 35 Prozent.
Es bedeutet nicht:
- das Herz funktioniere nur noch zu 35 Prozent,
- 65 Prozent des Herzens seien zerstört,
- oder aus diesem einen Wert könne die persönliche Prognose abgelesen werden.
Befundbeispiel 2
Im Arztbrief könnte stehen:
„Herzinsuffizienz mit erhaltener Ejektionsfraktion, LVEF (linksventrikuläre Ejektionsfraktion – Auswurffraktion der linken Herzkammer) 58 %.“
Das bedeutet:
- Eine Herzschwäche wurde diagnostiziert.
- Die gemessene Ejektionsfraktion ist nicht vermindert.
- Die Diagnose muss deshalb auf anderen objektiven Hinweisen auf eine Herzfunktionsstörung und dem klinischen Gesamtbild beruhen.
Es bedeutet nicht:
„Das Herz ist gesund, weil die Ejektionsfraktion 58 Prozent beträgt.“
Befundbeispiel 3
Im Arztbrief könnte stehen:
„Akut dekompensierte Herzinsuffizienz mit peripheren Ödemen.“
Patavio erklärt:
akut dekompensierte Herzinsuffizienz = eine Herzschwäche hat sich deutlich verschlechtert und ist aktuell nicht ausreichend ausgeglichen.
periphere Ödeme = Flüssigkeitsansammlungen im Gewebe, beispielsweise an Beinen und Füßen.
Aus diesem Satz allein lässt sich noch nicht sicher ableiten:
- wodurch die Verschlechterung ausgelöst wurde,
- welche Form der Herzschwäche besteht,
- wie hoch die Ejektionsfraktion ist,
- oder welche langfristige Behandlung erforderlich ist.
Fragen, Patavio-Wege und Merksatz
Fragen für das Arztgespräch
- Was ist die Ursache meiner Herzschwäche?
- Welche Form der Herzschwäche wurde bei mir festgestellt?
- Wie hoch ist die Ejektionsfraktion meiner linken Herzkammer?
- Was sagt dieser Wert bei mir aus – und was nicht?
- Gibt es Hinweise auf erhöhte Füllungsdrücke oder Flüssigkeitsstau?
- Welche Herzklappen- oder Herzmuskelveränderungen wurden gefunden?
- Welche Medikamente dienen meiner langfristigen Prognose und welche vor allem meinen Beschwerden?
- Welche Medikamente darf ich keinesfalls eigenmächtig absetzen?
- Welche Blutwerte müssen regelmäßig kontrolliert werden?
- Soll ich mein Gewicht regelmäßig dokumentieren – und bei welcher Veränderung soll ich mich melden?
- Welche Trinkmenge ist für mich persönlich sinnvoll?
- Wie stark darf ich mich körperlich belasten?
- Welche Beschwerden bedeuten, dass ich kurzfristig meinen Arzt kontaktieren sollte?
- Bei welchen Beschwerden soll ich sofort 112 wählen?
- Wann soll der nächste Herzultraschall stattfinden?
- Hat sich meine Herzfunktion gegenüber früher verbessert oder verschlechtert?
Was Patavio bei Herzschwäche bewusst nicht macht
Patavio sagt nicht:
- die Ejektionsfraktion als Prozentwert der gesamten Herzfunktion deuten,
- Herzschwäche allein wegen einer erhaltenen Ejektionsfraktion ausschließen,
- geschwollene Beine oder einen einzelnen Laborwert als Beweis werten,
- eine starre Trinkmenge für alle Menschen festlegen,
- oder eine allgemeine Regel zur selbstständigen Änderung von Entwässerungsmedikamenten geben.
Patavio erklärt Befunde und Zusammenhänge. Individuelle Diagnose und Therapie bleiben medizinische Entscheidungen.
Patavio-Merksatz
Bei einer Herzschwäche kann das Herz den Körper nicht mehr so versorgen beziehungsweise sich nicht mehr so füllen, wie es erforderlich ist. Eine Herzschwäche ist nicht immer eine reine Pumpstörung und kann auch bei erhaltener Ejektionsfraktion bestehen. Atemnot, Ödeme, Laborwerte und Ejektionsfraktion sind wichtige Bausteine – keiner davon stellt für sich allein die Diagnose. Eine plötzlich schwere Verschlechterung kann ein Notfall sein.
