Behandlungsziele und Wege
Es gibt nicht „die eine Herztherapie“
Herzerkrankungen betreffen unterschiedliche Strukturen und Funktionen:
- Herzkranzgefäße,
- Herzmuskel,
- elektrische Steuerung,
- Herzklappen,
- Blutdruck und Gefäße,
- Lungenkreislauf.
Deshalb unterscheiden sich auch die Behandlungen.
Eine Herzbehandlung soll immer ein konkretes Problem lösen oder ein konkretes Risiko senken. Der Name eines Medikaments oder Eingriffs sagt allein noch nicht, warum er bei einem bestimmten Menschen eingesetzt wird.
Viele kardiologische Therapien lassen sich verständlich in vier Gruppen einordnen:
- Medikamente – beeinflussen beispielsweise Blutdruck, Herzarbeit, Gerinnung, Flüssigkeitshaushalt oder Blutfette.
- Katheterverfahren – Behandlung über dünne Instrumente, die über Blutgefäße zum Herzen geführt werden.
- Operationen – chirurgische Eingriffe an Gefäßen, Klappen oder Herzstrukturen.
- Implantierbare Geräte – unterstützen oder überwachen die elektrische Herzfunktion.
Häufig werden mehrere dieser Wege kombiniert.
Medikamente – was sollen sie erreichen?
Blutdruck senken und Herz entlasten
Verschiedene Medikamentengruppen senken den Blutdruck oder verändern die Belastung des Herzens.
Welche Gruppe gewählt wird, hängt unter anderem von Herzerkrankung, Nierenfunktion, Blutdruck, Puls und Begleiterkrankungen ab.
Herzfrequenz beeinflussen
Bestimmte Medikamente können den Herzschlag verlangsamen oder Rhythmusstörungen beeinflussen.
Das ist beispielsweise bei einigen Formen von Vorhofflimmern oder Herzschwäche wichtig.
Flüssigkeit reduzieren
Diuretika = entwässernde Medikamente helfen dem Körper, überschüssiges Salz und Wasser auszuscheiden.
Sie können Wassereinlagerungen und Atemnot bei Herzschwäche lindern, behandeln aber nicht automatisch die zugrunde liegende Ursache.
Blutgerinnsel verhindern
Hier muss zwischen zwei Prinzipien unterschieden werden:
- Thrombozytenhemmer vermindern das Zusammenkleben von Blutplättchen und spielen beispielsweise nach bestimmten Behandlungen der Herzkranzgefäße eine Rolle.
- Antikoagulanzien = Gerinnungshemmer bremsen die Blutgerinnung über andere Mechanismen und können beispielsweise bei Vorhofflimmern zur Schlaganfallvorbeugung eingesetzt werden.
Diese Medikamentengruppen sind nicht austauschbar.
Blutfette behandeln
Cholesterinsenkende Medikamente können bei erhöhtem Herz-Kreislauf-Risiko oder bereits bestehender Gefäßerkrankung das Risiko weiterer Ereignisse senken.
Die Behandlung richtet sich nach dem Gesamtrisiko und nicht allein danach, ob ein Laborwert „ein bisschen zu hoch“ ist.
Herzmedikamente niemals aufgrund einer Interneterklärung eigenständig beginnen, absetzen oder in der Dosis verändern.
Warum Behandlungsempfehlungen sich ändern können
Herzerkrankungen verändern sich im Verlauf. Außerdem können neue Befunde entstehen.
Deshalb wird eine Behandlung regelmäßig überprüft:
- Wirkt sie?
- Wird sie vertragen?
- Hat sich die Herzfunktion verändert?
- Sind neue Erkrankungen oder Medikamente hinzugekommen?
- Haben sich wissenschaftliche Empfehlungen geändert?
Eine Therapieänderung ist deshalb nicht automatisch ein Zeichen, dass die frühere Behandlung „falsch“ war.

