Angeboren bedeutet: seit der Entwicklung vor der Geburt vorhanden
Ein angeborener Herzfehler ist eine strukturelle Besonderheit des Herzens oder der großen herznahen Gefäße. Die Bandbreite reicht von kleinen Veränderungen bis zu komplexen Herzfehlern mit mehreren Eingriffen.
„Angeborener Herzfehler“ ist kein einzelnes Krankheitsbild, sondern eine große Gruppe sehr unterschiedlicher Herz- und Gefäßveränderungen.
Warum angeborene Herzfehler auch Erwachsene betreffen
Viele Menschen mit angeborenem Herzfehler erreichen heute das Erwachsenenalter. Auch nach einer erfolgreichen Operation können Herzklappen, Rhythmus, Pumpfunktion, Druckverhältnisse, Narben oder künstliche Materialien langfristig wichtig bleiben.
Beispiele wichtiger angeborener Herzfehler
Defekte der Herzscheidewand
Vorhof- und Ventrikelseptumdefekte sind Öffnungen zwischen den Vorhöfen beziehungsweise Herzkammern.
Aortenisthmusstenose
Ein Abschnitt der Aorta ist angeboren verengt.
Fallot-Tetralogie und Transposition
Diese komplexen Veränderungen beeinflussen Blutfluss und Zuordnung großer Gefäße und werden häufig bereits im Kindesalter operiert.
Fontan-Kreislauf
Bei bestimmten komplexen Herzfehlern wird der Kreislauf so umgebaut, dass venöses Blut ohne normale Pumpkammer zur Lunge gelangt.
Diagnose, Operation und Langzeitfolgen unterscheiden sich grundlegend.
„Operiert“ bedeutet nicht immer „erledigt“
„Operiert“, „korrigiert“ oder „repariert“ bedeutet, dass Anatomie oder Blutfluss durch einen Eingriff verbessert wurden.
Je nach Herzfehler können lebenslange Nachkontrollen notwendig sein.
Im Erwachsenenalter können geringere Belastbarkeit, Atemnot, Rhythmusstörungen, Schwindel, Wassereinlagerungen oder bei bestimmten Herzfehlern eine Blaufärbung auftreten. Manche Veränderungen bleiben zunächst unbemerkt.
Spezialisierte Betreuung und Untersuchungen
Bei mittelgradigen und komplexen Herzfehlern ist die Mitbetreuung in einem spezialisierten Zentrum für Erwachsene mit angeborenen Herzfehlern wichtig. Die Anatomie nach früheren Operationen kann deutlich von der normalen Anatomie abweichen.
Je nach Herzfehler kommen EKG, Herzultraschall, MRT, CT, Belastungstest, Langzeit-Rhythmusaufzeichnung oder Herzkatheter zum Einsatz. Operationsnarben und veränderte Strukturen können auch Jahre später Rhythmusstörungen begünstigen.
Schwangerschaft, Sport und Alltag
Das Risiko einer Schwangerschaft hängt stark von der genauen Herz- und Kreislaufsituation ab. Bei relevanten Herzfehlern ist eine Beratung möglichst vor der Schwangerschaft sinnvoll.
Die passende körperliche Belastung hängt von Herzfehler, Restbefunden, Herzfunktion, Rhythmus, Sauerstoffsättigung und möglicher pulmonaler Hypertonie ab. Pauschale Verbote und pauschale Freigaben sind nicht sinnvoll.
Wann schnelle Hilfe wichtig ist
Bei Bewusstlosigkeit, schwerer Atemnot, akuter deutlicher Blaufärbung mit Verschlechterung, starken Brustbeschwerden oder einer anderen akut lebensbedrohlichen Veränderung sofort 112 wählen.
Neue Rhythmusstörungen, Ohnmacht oder deutlich sinkende Belastbarkeit sollten bei einem komplexen Herzfehler frühzeitig mit dem spezialisierten Zentrum besprochen werden.
Fragen und Patavio-Merksatz
Fragen für das Arztgespräch
- Wie lautet die genaue anatomische Diagnose?
- Welche Eingriffe wurden durchgeführt und welche Restbefunde bestehen?
- Brauche ich lebenslange Kontrollen in einem spezialisierten Zentrum?
- Welche Rhythmus-, Klappen- oder Pumpfunktionsprobleme müssen beobachtet werden?
- Was ist bei Belastung, Schwangerschaft oder Reisen zu beachten?
Patavio-Merksatz
Entscheidend sind die genaue Anatomie, frühere Eingriffe, verbliebene Veränderungen und eine Betreuung, die zur individuellen Herzsituation passt.
