
Die Grafik zeigt vier Bestandteile der Basisdiagnostik: Gespräch, körperliche Untersuchung, Pulstasten und Blutdruckmessung.
Schnellorientierung: Was erwartet mich bei welcher Untersuchung?
Die Angaben sind eine allgemeine Orientierung. Die konkrete Durchführung kann je nach Fragestellung, Gerät, Klinik und persönlicher Situation abweichen.
| Untersuchung | Invasiv? | Röntgenstrahlung? | Kontrastmittel? | Typische Besonderheit |
|---|---|---|---|---|
| Ruhe-EKG (kurze Aufzeichnung der elektrischen Herzaktivität) | Nein | Nein | Nein | Elektroden auf der Haut |
| Langzeit-EKG (längere Aufzeichnung der elektrischen Herzaktivität) | Nein | Nein | Nein | kleines tragbares Aufzeichnungsgerät |
| TTE (Herzultraschall von außen durch den Brustkorb) | Nein | Nein | normalerweise nein | Ultraschallkopf auf dem Brustkorb |
| TEE (Herzultraschall über die Speiseröhre) | Ja, Sonde über Mund und Speiseröhre | Nein | normalerweise kein Röntgenkontrastmittel | nüchtern; Rachenbetäubung, eventuell Beruhigungsmittel |
| CCTA (Computertomografie zur Darstellung der Herzkranzgefäße) | Kein Katheter bis zum Herzen | Ja | normalerweise ja, über eine Vene | oft kurze Atemanhaltephasen; individuelle Vorbereitung |
| MRT (Magnetresonanztomografie ohne Röntgenstrahlung) | Nein | Nein | je nach Fragestellung | starkes Magnetfeld; Implantate vorher prüfen |
| Myokardszintigrafie | Nein | Nein bei reiner Myokardszintigrafie; bei einer Kombination mit CT (Computertomografie mit Röntgenstrahlung) kommt zusätzlich Röntgenstrahlung durch den CT-Anteil hinzu. | Kein klassisches Kontrastmittel; es wird ein radioaktiver Tracer (Radiopharmakon) verabreicht. | Ruhe- und/oder Belastungsaufnahmen |
| Herzkatheter mit Koronarangiografie | Ja | Ja | Ja | Gefäßzugang, häufig am Handgelenk oder in der Leiste |
| EPU (elektrophysiologische Untersuchung des Herzrhythmus mit Kathetern) | Ja | je nach Durchführung | nicht im Mittelpunkt der Untersuchung | Katheter messen elektrische Signale direkt im Herzen |
Wichtig
„Invasiv“ bedeutet, dass Instrumente oder Katheter in den Körper beziehungsweise in Blutgefäße eingeführt werden. Es bedeutet nicht automatisch, dass eine Untersuchung gefährlich oder unnötig ist.
Die Entscheidung richtet sich nach der medizinischen Frage und dem erwarteten Nutzen.
Warum gibt es verschiedene Herzuntersuchungen?
Das Herz erfüllt mehrere Aufgaben gleichzeitig.
Es ist:
- eine Pumpe,
- ein Muskel,
- ein Organ mit einem eigenen elektrischen Erregungssystem,
- mit vier Herzklappen ausgestattet,
- über die Herzkranzgefäße selbst mit Blut versorgt,
- Teil eines Kreislaufsystems aus Herz, Blutgefäßen und Lunge.
Eine Untersuchung, die den Herzrhythmus sehr gut beurteilen kann, muss deshalb nicht automatisch die Herzklappen gut zeigen.
Eine Untersuchung der Herzkranzgefäße beantwortet wiederum andere Fragen als ein Herzultraschall.
Einfach erklärt
Man könnte es mit einem Haus vergleichen:
- Die Elektrik lässt sich untersuchen.
- Die Wände und Räume lassen sich ansehen.
- Die Leitungen lassen sich prüfen.
- Die Leistung lässt sich messen.
Trotzdem beschreibt keine einzelne Prüfung allein den Zustand des gesamten Hauses.
Beim Herzen ist es ähnlich.
Nicht die technisch aufwendigste Untersuchung ist automatisch die beste. Entscheidend ist, welche Frage beantwortet werden soll.
Gespräch, körperliche Untersuchung, Puls und Blutdruck
Am Anfang steht das Gespräch
Eine der wichtigsten „Untersuchungen“ benötigt zunächst kein technisches Gerät:
das ärztliche Gespräch – die Anamnese.
Dabei können beispielsweise wichtig sein:
- Welche Beschwerden bestehen?
- Seit wann?
- Treten sie plötzlich oder allmählich auf?
- Bei Belastung oder in Ruhe?
- Wie lange halten sie an?
- Gibt es Atemnot?
- Schwindel?
- Ohnmacht?
- Herzrasen?
- Brustdruck?
- Wassereinlagerungen?
- Haben sich die Beschwerden verändert?
Außerdem können Vorerkrankungen, Medikamente und Erkrankungen in der Familie eine Rolle spielen.
Warum ist das so wichtig?
Ein technisches Untersuchungsergebnis lässt sich häufig erst richtig beurteilen, wenn bekannt ist, warum die Untersuchung überhaupt durchgeführt wurde.
Dasselbe EKG (Aufzeichnung der elektrischen Herzaktivität) kann beispielsweise bei einem beschwerdefreien Menschen eine andere Bedeutung haben als bei einem Menschen mit akuten Brustbeschwerden.
Körperliche Untersuchung
Auch die körperliche Untersuchung gehört zur Herzdiagnostik.
Dabei können Ärztinnen und Ärzte beispielsweise:
- Herz und Lunge abhören,
- den Puls fühlen,
- Blutdruck messen,
- nach Wassereinlagerungen schauen,
- Hautfarbe und Kreislaufsituation beurteilen,
- Halsvenen betrachten,
- die Atmung beurteilen.
Bei einer Herzschwäche können beispielsweise auffällige Herztöne, bestimmte Atemgeräusche oder Wassereinlagerungen zusätzliche Hinweise geben. Für die Diagnose sind aber meist weitere Untersuchungen notwendig.
Wichtig
Das Stethoskop stellt nicht allein die Diagnose.
Es liefert Hinweise, die anschließend mit anderen Informationen zusammengeführt werden.
Puls und Herzfrequenz
Beim Puls lässt sich unter anderem beobachten:
- wie schnell das Herz schlägt,
- ob der Puls regelmäßig wirkt,
- ob Schläge unterschiedlich kräftig erscheinen.
Der Puls und der Herzrhythmus im EKG (Aufzeichnung der elektrischen Herzaktivität) sind jedoch nicht dasselbe.
Ein Mensch kann einen unregelmäßigen Puls haben. Welche Rhythmusstörung dahinterliegt, lässt sich daraus allein normalerweise nicht sicher bestimmen.
Herzrhythmusstörungen werden genauer mithilfe eines EKG (Aufzeichnung der elektrischen Herzaktivität) unterschieden.
Blutdruck messen
Der Blutdruck beschreibt den Druck in den Schlagadern.
Bei einer üblichen Messung erscheinen zwei Werte, zum Beispiel:
125 / 80 mmHg (Millimeter Quecksilbersäule – Einheit zur Angabe des Blutdrucks)
Der erste Wert ist der systolische Blutdruck.
Er beschreibt den höheren Druck während der Phase, in der das Herz Blut in den Kreislauf pumpt.
Der zweite Wert ist der diastolische Blutdruck.
Er beschreibt den niedrigeren Druck während der Entspannungs- und Füllungsphase des Herzens.
Warum reicht manchmal eine Messung nicht?
Blutdruck verändert sich.
Er kann beeinflusst werden durch:
- körperliche Belastung,
- Ruhe,
- Stress,
- Tageszeit,
- Schmerzen,
- Medikamente,
- andere Faktoren.
Ein einzelner Wert ist deshalb nur eine Momentaufnahme.
Langzeit-Blutdruckmessung
Bei einer 24-Stunden-Blutdruckmessung trägt man ein mobiles Blutdruckgerät.
Die Manschette misst tagsüber und nachts automatisch in bestimmten Abständen.
Damit lässt sich unter anderem beurteilen:
- wie sich der Blutdruck im Alltag verhält,
- ob Werte nur in der Arztpraxis erhöht sind,
- wie stark sie schwanken,
- wie sich der Blutdruck nachts entwickelt.
Einfach erklärt
Eine Einzelmessung ist ein Foto. Eine Langzeitmessung zeigt eher einen kleinen Film des Blutdrucks.
Wie werden Untersuchungsergebnisse eingeordnet?
Welche Untersuchung ist die richtige?
Diese Frage lässt sich ohne Fragestellung nicht beantworten.
Beispiel 1: Verdacht auf Rhythmusstörung
Je nach Situation können wichtig sein:
- Ruhe-EKG (kurze Aufzeichnung der elektrischen Herzaktivität),
- Langzeit-EKG (längere Aufzeichnung der elektrischen Herzaktivität),
- längere Rhythmusaufzeichnung,
- eventuell EPU (elektrophysiologische Untersuchung des Herzrhythmus mit Kathetern).
Beispiel 2: Herzklappe
Je nach Situation:
- Herzultraschall,
- Doppler-Untersuchung,
- gegebenenfalls TEE (Herzultraschall über die Speiseröhre).
Beispiel 3: Herzmuskel
Je nach Frage:
- Herzultraschall,
- MRT (Magnetresonanztomografie ohne Röntgenstrahlung),
- Laboruntersuchungen.
Beispiel 4: Herzkranzgefäße
Je nach Ausgangssituation:
- CCTA (Computertomografie zur Darstellung der Herzkranzgefäße),
- funktionelle Belastungsuntersuchung,
- invasive Koronarangiografie.
Patavio-Grundsatz
Nicht die technisch aufwendigste Untersuchung ist automatisch die beste. Die beste Untersuchung ist diejenige, die die konkrete medizinische Frage sinnvoll beantworten kann.
Was bedeutet „unauffälliger Befund“?
In einem Arztbrief steht häufig:
„unauffällig“
oder:
„kein pathologischer Befund“.
Das bedeutet in der Regel:
Bei dieser Untersuchung wurde keine relevante Auffälligkeit festgestellt, nach der mit dieser Methode gesucht beziehungsweise die mit ihr erfasst werden konnte.
Es bedeutet nicht automatisch:
„Alle denkbaren Erkrankungen des Herzens sind ausgeschlossen.“
Beispiel
Ein unauffälliges Ruhe-EKG (kurze Aufzeichnung der elektrischen Herzaktivität) kann beruhigend sein.
Es kann aber keine selten auftretende Rhythmusstörung sicher ausschließen, wenn diese während der kurzen Aufzeichnung nicht vorhanden war.
Ein unauffälliger Herzultraschall kann wiederum viel über Struktur und Funktion sagen – stellt aber die Herzkranzgefäße nicht so dar wie eine CCTA (Computertomografie zur Darstellung der Herzkranzgefäße) oder Koronarangiografie.
Was bedeutet „auffälliger Befund“?
Auch das Gegenteil führt häufig zu unnötiger Angst.
Ein auffälliger Befund bedeutet zunächst:
Etwas weicht von dem erwarteten oder üblichen Befund ab.
Die nächste Frage lautet:
Was bedeutet diese Abweichung bei diesem konkreten Menschen?
Dabei spielen beispielsweise eine Rolle:
- Stärke der Abweichung,
- Beschwerden,
- Alter,
- Medikamente,
- andere Erkrankungen,
- andere Untersuchungsergebnisse.
Beispiel Troponin
Troponin erhöht?
→ Hinweis auf Herzmuskelschädigung.
Aber erst weitere Informationen helfen zu klären:
→ Warum?
Beispiel EKG (Aufzeichnung der elektrischen Herzaktivität)
EKG (Aufzeichnung der elektrischen Herzaktivität) auffällig?
→ Die elektrische Aufzeichnung zeigt eine Abweichung.
Aber daraus folgt nicht automatisch:
→ „Herzinfarkt.“
Vorbereitung und Patavio-Hilfen
Begriff oder Abkürzung noch unklar?
Im Patavio-Glossar können Sie medizinische Fachbegriffe und Abkürzungen ausführlicher in verständlicher Sprache nachlesen.
Steht ein Begriff, eine Abkürzung oder eine Formulierung in Ihrem Befund, Arztbrief oder Diagnostikabschnitt, können Sie außerdem die Patavio-Funktion „Weiterführende Erklärung“ nutzen.
Sie hilft dabei, einzelne medizinische Ausdrücke oder Textpassagen im jeweiligen Zusammenhang verständlich zu machen.
Wichtig: Patavio erklärt den vorhandenen medizinischen Text und seine Begriffe. Daraus wird keine eigene Diagnose gestellt und die ärztliche Beurteilung wird nicht ersetzt.
Wie kann ich mich auf eine Untersuchung vorbereiten?
Die Vorbereitung hängt stark von der Untersuchung ab.
Deshalb gilt:
Die konkreten Anweisungen der untersuchenden Praxis oder Klinik haben Vorrang.
Wichtige Informationen, die vor bestimmten Untersuchungen angesprochen werden sollten, können sein:
- regelmäßig eingenommene Medikamente,
- Blutverdünner,
- Allergien oder frühere Reaktionen auf Kontrastmittel,
- Nierenerkrankungen,
- Herzschrittmacher oder Defibrillator,
- andere Implantate oder Metall im Körper,
- mögliche Schwangerschaft,
- Probleme mit engem Raum,
- Schluckprobleme vor einer TEE (Herzultraschall über die Speiseröhre).
Medikamente nicht selbst absetzen
Bei manchen Belastungs- oder Bildgebungsuntersuchungen kann es erforderlich sein, Medikamente anzupassen.
Das bedeutet aber nicht:
„Vor einer Herzuntersuchung setze ich meine Medikamente vorsichtshalber ab.“
Änderungen erfolgen nur nach konkreter ärztlicher Anweisung.
Eine Untersuchung beantwortet immer eine bestimmte Frage
Dieses Prinzip soll sich durch die gesamte Patavio-Herzdiagnostik ziehen.
EKG (Aufzeichnung der elektrischen Herzaktivität)
EKG (Aufzeichnung der elektrischen Herzaktivität) Frage: Wie arbeitet das elektrische System des Herzens während der Aufzeichnung?
Herzultraschall
TTE (Herzultraschall von außen durch den Brustkorb) beziehungsweise andere Formen der Echokardiografie Frage: Wie sehen Herzstrukturen aus und wie bewegen und funktionieren sie?
Troponin
Frage: Gibt es Hinweise auf eine Schädigung von Herzmuskelzellen?
CCTA (Computertomografie zur Darstellung der Herzkranzgefäße)
CCTA (Computertomografie zur Darstellung der Herzkranzgefäße) Frage: Wie sehen die Herzkranzgefäße aus?
Herz-MRT (Magnetresonanztomografie des Herzens ohne Röntgenstrahlung)
MRT (Magnetresonanztomografie ohne Röntgenstrahlung) Frage: Wie sehen Herzmuskel, Funktion und Gewebeeigenschaften aus?
Herzkatheter mit Koronarangiografie
Frage: Wie sehen die Herzkranzgefäße bei der invasiven Darstellung aus – und ist gegebenenfalls unmittelbar eine Behandlung möglich?
EPU (elektrophysiologische Untersuchung des Herzrhythmus mit Kathetern)
EPU (elektrophysiologische Untersuchung des Herzrhythmus mit Kathetern) Frage: Wo entsteht beziehungsweise wie verläuft eine bestimmte elektrische Rhythmusstörung?
