Ernährung kann unterstützen – aber Rheuma nicht einfach wegessen
Rheuma ist ein Sammelbegriff für sehr unterschiedliche Erkrankungen.
Deshalb gibt es auch keine einzelne „Rheuma-Diät“, die für alle Betroffenen geeignet ist.
Eine ausgewogene Ernährung kann:
- die allgemeine Gesundheit unterstützen,
- die Versorgung mit Energie und Nährstoffen verbessern,
- Herz, Gefäße, Knochen und Muskulatur schützen,
- bei einzelnen Erkrankungen bestimmte Risiken beeinflussen,
- das persönliche Wohlbefinden verbessern.
Sie kann eine notwendige medizinische Behandlung aber nicht ersetzen.
Unter den untersuchten Ernährungsmustern gibt es für eine mediterran geprägte Ernährung vergleichsweise günstige Hinweise.
Bei rheumatoider Arthritis wurden in einzelnen Studien kleine bis mäßige Verbesserungen beschrieben. Für andere rheumatische Erkrankungen ist die Datenlage teilweise schwächer oder beruht überwiegend auf beobachteten Zusammenhängen.
Eine mediterran geprägte Ernährung kann deshalb als unterstützende Maßnahme sinnvoll sein. Sie ist aber keine krankheitsverändernde Behandlung und ersetzt keine notwendige medikamentöse Therapie.
Patavio-Merksatz Ernährung kann ein Teil der Behandlung sein. Sie ist aber weder Heilmittel noch Schuldfrage.
Auf dieser Seite
- Warum es nicht die eine Rheuma-Diät gibt
- Welche Grundsätze häufig sinnvoll sind
- Was eine mediterran geprägte Ernährung bedeutet
- Wie gesundes Essen bezahlbar und praktisch bleiben kann
- Was bei wenig Kraft oder eingeschränkter Handfunktion helfen kann
- Was bei Kau- oder Schluckbeschwerden wichtig ist
- Warum Untergewicht und Mangelernährung ernst genommen werden müssen
- Welche Unterschiede bei Gicht und Osteoporose wichtig sind
- Wie Alkohol eingeordnet werden kann
- Was Nahrungsergänzungsmittel leisten können und wo Risiken liegen
- Warum strenge Diäten und Fasten nicht für jeden geeignet sind
- Wann ernährungsmedizinische Unterstützung sinnvoll sein kann
Es gibt nicht die eine Ernährung für alle Rheumaformen
Eine Ernährungsempfehlung muss zur Erkrankung und zur persönlichen Situation passen.
Unterschiede bestehen beispielsweise zwischen:
- entzündlich-rheumatischen Erkrankungen,
- Arthrose,
- Gicht,
- Osteoporose,
- chronischen Schmerzerkrankungen,
- Erkrankungen mit Beteiligung von Darm, Niere oder anderen Organen.
Auch Medikamente, Allergien, Unverträglichkeiten, Körpergewicht, Appetit, Kau- oder Schluckprobleme und die finanzielle Situation können entscheidend sein.
Was für einen Menschen hilfreich ist, kann für einen anderen ungeeignet oder sogar belastend sein.
Wichtig Persönliche Erfahrungen mit einzelnen Lebensmitteln können ernst genommen werden. Sie dürfen aber nicht automatisch zu einer allgemeinen Regel für alle Betroffenen werden.
Die Grundlage: ausgewogen statt perfekt
Für viele Menschen mit rheumatischen und muskuloskelettalen Erkrankungen ist keine exotische Spezialkost notwendig.
Eine tragfähige Grundlage kann bestehen aus:
- Gemüse und Obst,
- Hülsenfrüchten,
- Kartoffeln, Reis, Brot und anderen Getreideprodukten,
- möglichst häufig Vollkornprodukten, wenn sie vertragen werden,
- Nüssen und Samen,
- pflanzlichen Ölen,
- Milchprodukten oder geeigneten Alternativen,
- Fisch, Eiern, Fleisch oder pflanzlichen Eiweißquellen nach persönlicher Ernährung,
- ausreichend Flüssigkeit.
Als allgemeine Orientierung für gesunde Erwachsene empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung unter anderem Gemüse und Obst, Hülsenfrüchte, Nüsse, Vollkornprodukte, pflanzliche Öle und Wasser.
Diese allgemeinen Empfehlungen richten sich nicht speziell an Menschen, die aufgrund einer Erkrankung eine angepasste Ernährung benötigen.
Bei chronischen Erkrankungen, Untergewicht, Organerkrankungen, Unverträglichkeiten oder besonderen Anforderungen an die Nährstoffversorgung können abweichende oder ergänzende Empfehlungen notwendig sein.
Es geht nicht darum, jedes Lebensmittel in „entzündungsfördernd“ oder „entzündungshemmend“ einzuteilen.
Entscheidend ist meist das Ernährungsmuster über längere Zeit – nicht ein einzelnes Essen.
Mediterran geprägt bedeutet nicht teuer oder kompliziert
Die mediterrane Ernährung wird häufig als mögliche unterstützende Ernährungsform bei rheumatischen Erkrankungen genannt.
Typische Bestandteile sind:
- viel Gemüse und Obst,
- Hülsenfrüchte,
- Getreide und Brot,
- Nüsse und Samen,
- pflanzliche Öle,
- weniger stark verarbeitete Lebensmittel,
- weniger rotes und verarbeitetes Fleisch,
- Fisch und Geflügel in individuell passenden Mengen,
- weniger stark zuckerhaltige Getränke und Lebensmittel.
Mediterran essen bedeutet nicht, täglich frischen Seefisch, teure Nüsse oder besondere Produkte aus dem Feinkostladen kaufen zu müssen.
Auch preiswerte Lebensmittel passen dazu:
- Haferflocken,
- Kartoffeln,
- Tiefkühlgemüse,
- saisonales Gemüse,
- Linsen,
- Bohnen,
- Kichererbsen,
- Naturjoghurt,
- Eier,
- Vollkornbrot,
- Rapsöl,
- Dosentomaten,
- ungesalzene Nüsse in kleinen Mengen.
Einfach erklärt Mediterran bedeutet vor allem: häufiger pflanzlich, abwechslungsreich und möglichst wenig stark verarbeitet. Es bedeutet nicht, dass jedes Gericht aus dem Mittelmeerraum stammen muss.
Kleine Veränderungen statt radikaler Regeln
Eine Ernährung muss nicht von heute auf morgen vollständig umgestellt werden.
Mögliche kleine Schritte sind:
- häufiger Wasser statt Softdrinks trinken,
- an einzelnen Tagen Hülsenfrüchte statt Fleisch verwenden,
- Gemüse als festen Bestandteil einer Mahlzeit einplanen,
- Weißbrot gelegentlich durch ein verträgliches Vollkornbrot ersetzen,
- häufiger pflanzliche Öle statt Butter oder Schmalz verwenden,
- Snacks nicht verbieten, sondern Menge und Häufigkeit bewusst wählen.
Eine Ernährung ist nur dann alltagstauglich, wenn sie:
- schmeckt,
- bezahlbar ist,
- vertragen wird,
- mit der vorhandenen Kraft zubereitet werden kann,
- keine dauerhafte Angst vor Lebensmitteln erzeugt.
Gesund essen muss nicht teuer sein
Eine ausgewogene Ernährung kann auch mit begrenztem Budget gelingen.
Preiswerte Grundzutaten sind beispielsweise:
- Kartoffeln,
- Reis,
- Nudeln,
- Haferflocken,
- Brot,
- Linsen,
- Bohnen,
- Erbsen,
- Eier,
- Quark oder Naturjoghurt,
- Tiefkühlgemüse,
- saisonales Obst und Gemüse,
- Dosentomaten,
- ungewürzte Tiefkühlkräuter.
Tiefkühlgemüse ist nicht automatisch schlechter als frisches Gemüse.
Es kann sogar besonders praktisch sein, weil:
- es bereits gewaschen und geschnitten ist,
- nur die benötigte Menge entnommen wird,
- weniger Lebensmittel verderben,
- die Zubereitung weniger Kraft kostet.
Auch vorgekochte Hülsenfrüchte aus Dose oder Glas können eine sinnvolle Alltagshilfe sein.
Bei empfindlicher Verdauung kann es helfen, sie abzuspülen und zunächst kleinere Mengen auszuprobieren.
Essen, wenn Kraft und Beweglichkeit fehlen
Schmerzen, Erschöpfung oder eingeschränkte Handfunktion können das Einkaufen und Kochen erheblich erschweren.
Dann ist die beste Ernährung nicht unbedingt die theoretisch perfekteste – sondern die, die tatsächlich gegessen werden kann.
Hilfreich können sein:
- bereits geschnittenes Tiefkühlgemüse,
- vorgekochte Hülsenfrüchte,
- geschälte oder vorgegarte Kartoffeln,
- einfache Gerichte mit wenigen Zutaten,
- größere Portionen kochen und einfrieren,
- ein Topf statt mehrerer Pfannen,
- Küchenmaschine oder elektrischer Öffner,
- leichte Töpfe und rutschfeste Unterlagen,
- Messer mit ergonomischen Griffen,
- Einkaufs- oder Lieferdienste,
- Unterstützung durch Angehörige oder einen Hilfsdienst.
Auch einfache Mahlzeiten können ausgewogen sein:
- Haferflocken mit Joghurt und Obst,
- Brot mit Ei, Quark oder Hummus,
- Kartoffeln mit Kräuterquark,
- Nudeln mit Tomaten und Tiefkühlgemüse,
- Linsen- oder Gemüsesuppe,
- Reis mit Gemüse und Ei,
- Joghurt, Banane und Nüsse als energiereiche Zwischenmahlzeit.
Wichtig Ein Fertiggericht ist nicht automatisch ein persönliches Scheitern. Entscheidend ist, was im Alltag möglich ist. Fertigprodukte können durch Gemüse, Hülsenfrüchte, Ei, Joghurt oder andere einfache Zutaten ergänzt werden.
Wenn Kauen oder Schlucken schwerfällt
Kau- und Schluckbeschwerden können viele unterschiedliche Ursachen haben.
Sie sind kein allgemeines Symptom von „Rheuma“.
Bei einzelnen rheumatischen Erkrankungen können sie jedoch Teil des Krankheitsbildes sein. Dazu gehören beispielsweise:
- entzündliche Muskelerkrankungen, bei denen die am Schlucken beteiligten Muskeln betroffen sein können,
- die systemische Sklerose, bei der Beweglichkeit und Funktion der Speiseröhre beeinträchtigt sein können,
- ausgeprägte Mundtrockenheit, beispielsweise bei der Sjögren-Erkrankung, die Kauen und Schlucken erschweren kann.
Ebenso müssen neurologische, strukturelle, gastroenterologische oder medikamentöse Ursachen berücksichtigt werden.
Fachlich abgeklärt werden sollten insbesondere:
- wiederholtes Verschlucken oder Husten beim Essen und Trinken,
- eine feuchte oder gurgelnde Stimme nach dem Schlucken,
- das Gefühl, dass Nahrung im Hals oder hinter dem Brustbein stecken bleibt,
- sehr lange oder zunehmend anstrengende Mahlzeiten,
- wiederkehrende Lungenentzündungen,
- eine deutlich sinkende Trink- oder Nahrungsmenge,
- ungewollter Gewichtsverlust.
Welche Konsistenz von Speisen und Getränken sicher ist, hängt von der Art der Schluckstörung ab.
Lebensmittel sollten deshalb nicht allein aufgrund allgemeiner Internettipps püriert oder gemieden und Flüssigkeiten nicht eigenmächtig angedickt werden.
Eine professionelle Schluckdiagnostik und bei Bedarf logopädische sowie ernährungstherapeutische Unterstützung können helfen, Verschlucken und das Eindringen von Nahrung in die Atemwege zu vermeiden und gleichzeitig die Versorgung mit Energie, Eiweiß und Flüssigkeit sicherzustellen.
Wichtig Bei akuter Atemnot, einer vollständigen Verlegung der Atemwege oder wenn Speichel plötzlich nicht mehr geschluckt werden kann, ist sofort medizinische Hilfe erforderlich.
Nicht jeder Mensch sollte abnehmen
Bei Ernährung und Rheuma wird häufig über Übergewicht gesprochen.
Ein hohes Körpergewicht kann Gelenke zusätzlich belasten und bei einigen Erkrankungen mit weiteren Gesundheitsrisiken verbunden sein.
Aber nicht jeder Mensch mit Rheuma ist übergewichtig.
Manche Betroffene:
- verlieren ungewollt Gewicht,
- haben wenig Appetit,
- können wegen Schmerzen kaum kochen,
- vertragen viele Lebensmittel nicht,
- haben Kau- oder Schluckbeschwerden,
- benötigen wegen Krankheit oder Operation mehr Energie und Eiweiß,
- verlieren Muskelmasse durch Inaktivität oder Erkrankung.
Dann kann eine kalorienreduzierte oder sehr ballaststoffreiche Ernährung sogar ungeeignet sein.
Patavio-Merksatz Ein „gesundes Gewicht“ ist kein allgemeines Abnehmziel. Bei Untergewicht, Muskelverlust oder ungewolltem Gewichtsverlust steht eine ausreichende Versorgung im Vordergrund.
Ungewollter Gewichtsverlust ist ein Warnsignal
Wer ohne Absicht deutlich Gewicht verliert, sollte dies ärztlich abklären lassen.
Mögliche Gründe können unter anderem sein:
- eine aktive Erkrankung,
- Nebenwirkungen von Medikamenten,
- Schmerzen oder Erschöpfung,
- Kau- oder Schluckprobleme,
- Magen-Darm-Erkrankungen,
- psychische Belastungen,
- andere körperliche Erkrankungen.
Bei Untergewicht oder drohender Mangelernährung kann es sinnvoll sein:
- mehrere kleinere Mahlzeiten zu essen,
- Speisen mit verträglichen energiereichen Zutaten anzureichern,
- Eiweißquellen regelmäßig einzuplanen,
- energiereiche Getränke oder medizinische Trinknahrung zu prüfen,
- eine Ernährungsfachkraft einzubeziehen.
Welche Maßnahme geeignet ist, muss zur Erkrankung, Verdauung, Nierenfunktion und individuellen Verträglichkeit passen.
Eiweiß und Muskulatur
Eiweiß wird unter anderem für Muskeln, Gewebe, Enzyme und viele weitere Körperfunktionen benötigt.
Mögliche Eiweißquellen sind:
- Milch, Joghurt, Quark und Käse,
- Eier,
- Fisch und Fleisch,
- Hülsenfrüchte,
- Tofu und andere Sojaprodukte,
- Nüsse und Samen,
- geeignete eiweißreiche Trink- oder Zusatznahrung.
Bei starkem Gewichts- oder Muskelverlust kann eine gezielte Ernährungsberatung sinnvoll sein.
Mehr Eiweiß ist aber nicht automatisch für jeden Menschen besser.
Besonders bei bestimmten Nieren- oder Stoffwechselerkrankungen muss die Menge individuell abgestimmt werden.
Ernährung bei Gicht
Gicht gehört zum rheumatischen Formenkreis, unterscheidet sich aber deutlich von entzündlichen Autoimmunerkrankungen.
Bei Gicht lagern sich Harnsäurekristalle ab und können schmerzhafte Gelenkentzündungen auslösen.
Bei Gicht kann es sinnvoll sein, übermäßigen Alkoholkonsum und große Mengen besonders purinreicher tierischer Lebensmittel zu reduzieren.
Starre Verbotslisten sind jedoch selten eine gute Dauerlösung.
Entscheidend sind unter anderem:
- die Höhe des Harnsäurespiegels,
- Häufigkeit und Schwere der Gichtanfälle,
- Nierenfunktion und Begleiterkrankungen,
- Körpergewicht und Stoffwechselsituation,
- Medikamente, die den Harnsäurespiegel beeinflussen können.
Ernährung kann die Behandlung unterstützen.
Bei vielen Menschen reicht sie allein jedoch nicht aus, um die Harnsäure dauerhaft ausreichend zu senken.
Fasten kann einen Gichtanfall begünstigen und ist bei Gicht nicht pauschal geeignet.
Ernährung und Knochengesundheit
Bei Osteoporose und bei Menschen mit erhöhtem Knochenbruchrisiko sind insbesondere folgende Punkte wichtig:
- ausreichende Versorgung mit Calcium,
- ausreichende Vitamin-D-Versorgung,
- ausreichende Energie- und Eiweißzufuhr,
- regelmäßige, angepasste körperliche Aktivität,
- Vermeidung von starkem Untergewicht.
Calcium kann beispielsweise enthalten sein in:
- Milch und Milchprodukten,
- calciumangereicherten pflanzlichen Getränken,
- calciumreichem Mineralwasser,
- bestimmten Gemüsesorten,
- Nüssen und Samen.
Ob zusätzlich Calcium oder Vitamin D eingenommen werden sollte, hängt von Ernährung, Blutwerten, Medikamenten, Mobilität, Sonnenexposition und individuellem Risiko ab.
Alkohol: allgemeines Gesundheitsrisiko und rheumaspezifische Besonderheiten
Nach der aktuellen allgemeinen Einordnung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung gibt es keine gesundheitlich risikofreie Alkoholmenge.
Für die Gesundheit ist es daher am besten, keinen oder möglichst wenig Alkohol zu trinken.
Wer Alkohol trinkt, sollte hohe Mengen und Rauschtrinken vermeiden.
Bei einer rheumatischen Erkrankung muss zusätzlich berücksichtigt werden:
- welche konkrete Erkrankung vorliegt,
- welche Medikamente eingenommen werden,
- ob Leber oder Nieren betroffen sind,
- ob Gicht oder ein erhöhtes Osteoporoserisiko besteht,
- ob weitere Erkrankungen oder persönliche Risiken vorliegen.
Rheumaspezifische Untersuchungen können einzelne Zusammenhänge anders bewerten als die allgemeine Gesundheitsbetrachtung.
Daraus lässt sich aber weder ein gesundheitlicher Nutzen noch ein allgemeiner Freibrief ableiten.
Wichtig Entscheidend sind die konkrete Erkrankung, die Medikamente, die Organfunktionen und die persönliche Situation.
Nahrungsergänzungsmittel: sinnvoll, überflüssig oder riskant?
Nahrungsergänzungsmittel sind nicht grundsätzlich gut oder schlecht.
Rechtlich gelten sie als Lebensmittel und nicht automatisch als Arzneimittel.
Sie müssen angezeigt, aber nicht wie ein Arzneimittel zugelassen werden. Vor dem Verkauf ist daher kein vergleichbarer Nachweis erforderlich, dass ein Produkt eine Erkrankung wirksam behandelt.
Eine hohe Dosierung, eine Werbeaussage oder die Bezeichnung „natürlich“ beweisen weder einen medizinischen Nutzen noch eine besondere Sicherheit.
Nahrungsergänzungsmittel können sinnvoll sein, wenn:
- ein Mangel nachgewiesen wurde,
- ein erhöhtes Risiko für eine Unterversorgung besteht,
- bestimmte Lebensmittel nicht gegessen oder aufgenommen werden können,
- eine Erkrankung oder Behandlung den Bedarf beeinflusst,
- eine medizinisch begründete Ergänzung empfohlen wurde.
Sie sind aber kein Ersatz für eine ausgewogene Ernährung oder eine notwendige Rheumatherapie.
Mehr ist nicht automatisch besser
Bei Nahrungsergänzungsmitteln kann eine Überdosierung entstehen, wenn:
- mehrere Präparate denselben Stoff enthalten,
- hoch dosierte Einzelprodukte kombiniert werden,
- zusätzlich angereicherte Lebensmittel verwendet werden,
- langfristig ohne Kontrolle eingenommen wird.
Besondere Vorsicht ist nötig bei:
- fettlöslichen Vitaminen wie A, D, E und K,
- hoch dosierten Mineralstoffen,
- Pflanzenextrakten,
- kombinierten „Immun-“ oder „Detox“-Produkten,
- unbekannten oder unklar zusammengesetzten Internetprodukten.
Vitamin D ist ein gutes Beispiel:
Ein Mangel kann behandlungsbedürftig sein, aber dauerhaft zu hohe Mengen können gesundheitliche Schäden verursachen.
Patavio-Merksatz Ein Nahrungsergänzungsmittel kann einen Mangel behandeln. Es kann aber auch einen neuen Schaden verursachen, wenn Dosis, Dauer und Wechselwirkungen nicht passen.
Vitamin D und Calcium
Vitamin D und Calcium sind für Knochen und Muskulatur wichtig.
Eine zusätzliche Vitamin-D-Einnahme kann sinnvoll sein, wenn die körpereigene Bildung nicht ausreicht oder eine besondere medizinische Situation besteht – beispielsweise bei geringer Sonnenexposition, stark eingeschränkter Mobilität, Osteoporose oder einem festgestellten Mangel.
Bei chronischen Erkrankungen, eingeschränkter Nierenfunktion oder einer bereits laufenden Behandlung muss die Einnahme individuell abgestimmt werden.
Medizinisch begründete Dosierungen können von allgemeinen Empfehlungen abweichen.
Konkrete Dosierungen gehören deshalb nicht auf diese allgemeine Portalseite, sondern in die ärztliche oder ernährungsmedizinische Begleitung.
Auch Calcium sollte im Zusammenhang mit der gesamten Ernährung betrachtet werden.
Eine pauschale Einnahme hoher Mengen ist nicht automatisch sinnvoller als eine ausreichende Versorgung über Lebensmittel.
Omega-3-Fettsäuren
Omega-3-Fettsäuren kommen unter anderem vor in:
- fettreichem Seefisch,
- Rapsöl,
- Leinöl,
- Walnüssen,
- bestimmten Algenprodukten.
Einzelne Studien zeigen mögliche günstige Effekte bei rheumatoider Arthritis.
Die Daten reichen jedoch nicht für eine allgemeine Empfehlung, dass alle Menschen mit rheumatoider Arthritis Omega-3-Präparate einnehmen sollten.
Das bedeutet:
- Omega-3-haltige Lebensmittel können Teil einer ausgewogenen Ernährung sein.
- Kapseln sind nicht automatisch notwendig.
- Hoch dosierte Produkte können Nebenwirkungen oder Wechselwirkungen haben.
- Präparate sollten besonders bei Blutverdünnern, Operationen oder weiteren Erkrankungen besprochen werden.
Pflanzliche Präparate und „natürliche“ Mittel
Curcuma, Weihrauch, Ingwer, Teufelskralle und zahlreiche weitere pflanzliche Produkte werden bei rheumatischen Beschwerden beworben.
Die Präparate müssen einzeln betrachtet werden.
Ergebnisse zu einem Pflanzenstoff dürfen nicht auf sämtliche pflanzlichen Produkte übertragen werden.
Die DGRh-Kommission hat mehrere ausgewählte pflanzliche Präparate bewertet.
Der belegbare Stellenwert der Phytotherapie in der Rheumatologie wurde insgesamt als gering eingeordnet.
Für einzelne Mittel und einzelne Beschwerden können begrenzte Hinweise bestehen.
Daraus folgt jedoch keine allgemeine Empfehlung zur Behandlung entzündlich-rheumatischer Erkrankungen.
Zusätzlich können pflanzliche Präparate:
- Nebenwirkungen verursachen,
- mit Medikamenten wechselwirken,
- Leber oder Magen-Darm-Trakt belasten,
- die Blutgerinnung beeinflussen,
- je nach Produkt unterschiedlich zusammengesetzt sein.
Nahrungsergänzungsmittel und pflanzliche Präparate sollten deshalb in der Medikamentenliste angegeben werden.
Fasten ist nicht für jeden geeignet
Manche Menschen berichten, dass begrenztes Fasten ihre Beschwerden vorübergehend verbessert.
Die wissenschaftlichen Daten sind jedoch begrenzt, und längerfristige Wirkungen sind nicht ausreichend belegt.
Ärztlich begleitetes Fasten kommt allenfalls für ausgewählte Menschen als ergänzende Maßnahme infrage.
Nicht geeignet ist es insbesondere bei:
- starkem Untergewicht,
- ungewolltem Gewichtsverlust,
- Mangelernährung,
- Essstörungen,
- bestimmten Vorerkrankungen,
- Gicht.
Auch Medikamente können während des Fastens angepasst werden müssen.
Wichtig Fasten darf nicht aus der Vorstellung begonnen werden, eine Autoimmunerkrankung dadurch „auszuhungern“. Bei Untergewicht, Gewichtsverlust, Muskelschwund oder eingeschränkter Nahrungsaufnahme kann Fasten gefährlich sein.
Strenge Ausschlussdiäten
Manche Betroffene verzichten versuchsweise auf:
- Gluten,
- Milch,
- Fleisch,
- Zucker,
- Nachtschattengewächse,
- bestimmte Zusatzstoffe,
- zahlreiche weitere Lebensmittel.
Ein zeitlich begrenzter, strukturierter Versuch kann in einzelnen Fällen helfen, eine persönliche Unverträglichkeit zu erkennen.
Problematisch wird es, wenn:
- immer mehr Lebensmittel verboten werden,
- die Versorgung mit Energie oder Eiweiß sinkt,
- kein klarer Zeitraum vereinbart ist,
- Verbesserungen und Verschlechterungen nicht dokumentiert werden,
- aus einem persönlichen Eindruck eine allgemeine Rheumaregel wird.
Eine glutenfreie Ernährung ist beispielsweise notwendig bei Zöliakie.
Sie ist aber nicht automatisch eine Behandlung für jede rheumatische Erkrankung.
Ein Ernährungstagebuch kann helfen
Wer einen Zusammenhang zwischen Beschwerden und bestimmten Lebensmitteln vermutet, kann zeitweise notieren:
- was gegessen und getrunken wurde,
- wann Beschwerden auftraten,
- wie stark die Beschwerden waren,
- welche Medikamente eingenommen wurden,
- ob Stress, Schlaf, Bewegung oder Infekte eine Rolle spielten.
Ein solches Tagebuch kann Muster sichtbar machen.
Es beweist aber nicht automatisch, dass ein bestimmtes Lebensmittel die Ursache war.
Beschwerden schwanken häufig auch durch:
- Krankheitsaktivität,
- Medikamente,
- Schlaf,
- Stress,
- körperliche Belastung,
- Infekte,
- Zufall.
Deshalb sollten einschneidende Ernährungsumstellungen möglichst gemeinsam mit einer qualifizierten Ernährungsfachkraft beurteilt werden.
Wann ist Ernährungsberatung besonders sinnvoll?
Eine professionelle Ernährungsberatung kann besonders hilfreich sein bei:
- ungewolltem Gewichtsverlust,
- Untergewicht,
- starkem Übergewicht mit gesundheitlichen Folgen,
- häufigen Gichtanfällen,
- Osteoporose,
- Nieren- oder Lebererkrankungen,
- Diabetes oder Fettstoffwechselstörungen,
- Kau- oder Schluckproblemen,
- anhaltendem Durchfall oder anderen Verdauungsbeschwerden,
- zahlreichen Unverträglichkeiten,
- sehr einseitiger Ernährung,
- Unsicherheit über Nahrungsergänzungsmittel.
Wichtig ist eine qualifizierte Beratung, die:
- die konkrete Erkrankung kennt,
- Medikamente und Laborwerte berücksichtigt,
- keine Heilversprechen gibt,
- bezahlbare und realistische Lösungen entwickelt.
Drei Fragen vor einem Nahrungsergänzungsmittel
Vor dem Kauf können diese Fragen helfen:
1. Was soll damit erreicht werden?
- Liegt ein nachgewiesener Mangel vor?
- Gibt es ein konkretes Behandlungsziel?
- Oder beruht die Einnahme hauptsächlich auf Werbung oder Hoffnung?
2. Ist die Dosis bekannt und sinnvoll?
- Enthalten andere Präparate denselben Stoff?
- Wird die empfohlene Menge überschritten?
- Ist eine Kontrolle notwendig?
3. Passt das Mittel zu meinen Medikamenten?
- Gibt es Wechselwirkungen?
- Sind Leber oder Nieren betroffen?
- Muss das Mittel vor einer Operation pausiert werden?
- Weiß die behandelnde Praxis von der Einnahme?
Was diese Seite leisten kann – und was nicht
Diese Seite kann erklären:
- welche Ernährungsmuster häufig sinnvoll sind,
- warum Ernährung je nach Rheumaform unterschiedlich bewertet werden muss,
- welche Rolle Untergewicht und Mangelernährung spielen,
- warum Nahrungsergänzungsmittel nicht automatisch harmlos sind,
- warum Kau- und Schluckbeschwerden fachlich eingeordnet werden müssen,
- wann professionelle Beratung sinnvoll sein kann.
Sie kann nicht entscheiden:
- welche Ernährung für Sie persönlich richtig ist,
- ob Sie ein Lebensmittel meiden sollten,
- ob ein Nahrungsergänzungsmittel notwendig ist,
- welche Dosis Sie benötigen,
- ob Ihre Beschwerden durch Ernährung verursacht werden,
- welche Konsistenz bei einer Schluckstörung sicher ist,
- ob Fasten oder eine Ausschlussdiät für Sie geeignet ist.
Diese Fragen benötigen eine individuelle medizinische, schlucktherapeutische oder ernährungsmedizinische Beurteilung.
Patavio-Merksatz
Gute Ernährung bei Rheuma bedeutet nicht Verzicht um jeden Preis. Sie soll den Körper versorgen, zur Erkrankung passen und im wirklichen Alltag funktionieren. Manchmal ist mehr Gemüse wichtig – manchmal aber zuerst mehr Energie, mehr Eiweiß oder überhaupt wieder ausreichend und sicher zu essen.
Quellen und fachliche Grundlage
- Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie und Klinische Immunologie
- European Alliance of Associations for Rheumatology
- Deutsche Gesellschaft für Ernährung
- Bundesinstitut für Risikobewertung
- AWMF-Leitlinienregister
- gesund.bund.de
Quellenstand: 21.07.2026

