Es gibt nicht die eine Rheumatherapie
Rheuma ist ein Sammelbegriff für sehr unterschiedliche Erkrankungen. Deshalb gibt es auch keine Behandlung, die für alle Menschen und alle Rheumaformen gleichermaßen geeignet ist.
Die Behandlung richtet sich unter anderem danach:
- welche Erkrankung vorliegt,
- ob eine Entzündung besteht,
- wie aktiv die Erkrankung ist,
- welche Gelenke oder Organe betroffen sind,
- welche Schäden bereits entstanden sind,
- welche Begleiterkrankungen bestehen,
- welche Medikamente vertragen werden,
- welche persönlichen Ziele und Belastungsgrenzen wichtig sind.
Bei entzündlich-rheumatischen Erkrankungen kann die Kontrolle der Erkrankungsaktivität im Vordergrund stehen. Bei Arthrose, Gicht, Osteoporose, chronischen Schmerzen oder anderen rheumatischen Beschwerdebildern gelten teilweise andere Behandlungsprinzipien.
Aktuelle Leitlinien werden deshalb krankheitsspezifisch erstellt und regelmäßig überarbeitet. Die aktuellen EULAR-Empfehlungen zur Behandlung der rheumatoiden Arthritis tragen die Bezeichnung „2025 Update“ und wurden am 12. März 2026 online veröffentlicht. Auch für andere Erkrankungsgruppen bestehen jeweils eigene Empfehlungen.
Patavio-Merksatz Eine gute Rheumabehandlung besteht nicht aus einem einzelnen Medikament. Sie verbindet die passende medizinische Therapie mit Bewegung, Unterstützung im Alltag, regelmäßigen Kontrollen und den persönlichen Zielen des betroffenen Menschen.
Auf dieser Seite
- Wovon die Behandlung abhängt
- Was bei organ- oder nervenbedrohenden Verläufen wichtig ist
- Welche Ziele eine Behandlung verfolgen kann
- Was Treat to Target und eine mögliche Therapiereduktion bedeuten
- Welche Medikamentengruppen grundsätzlich eingesetzt werden
- Warum bei längerer Kortisonbehandlung ein Schutzplan notwendig sein kann
- Welche besonderen Sicherheitsfragen bei zielgerichteten Therapien bestehen
- Warum Wirkung, Nebenwirkungen und Infektionsrisiken kontrolliert werden
- Was bei Kinderwunsch, Schwangerschaft und Stillzeit wichtig ist
- Welche Rolle Bewegung und körperliche Aktivität spielen
- Wie Physiotherapie und Ergotherapie unterstützen können
- Warum Schmerzen und Fatigue eigene Behandlungsthemen sind
- Wie Schluckbeschwerden behandelt und die Ernährung gesichert werden können
- Welche Rolle Trockenheit und Schleimhautschutz spielen
- Welche weiteren Hilfen möglich sind
- Was gemeinsame Therapieentscheidungen bedeuten
- Was geschehen kann, wenn eine Behandlung nicht ausreichend hilft
- Wann Beschwerden unter einer Behandlung rasch abgeklärt werden sollten
Wovon hängt die Behandlung ab?
Der Name einer Erkrankung allein reicht für die Therapieplanung häufig nicht aus.
Auch Menschen mit derselben Diagnose können unterschiedliche Behandlungen benötigen. Eine Rolle spielen beispielsweise:
- die aktuelle Krankheitsaktivität,
- Art und Ausmaß der Beschwerden,
- betroffene Gelenke oder Organe,
- bisheriger Verlauf,
- frühere Behandlungen,
- Wirkung und Verträglichkeit von Medikamenten,
- Infektionen und Begleiterkrankungen,
- Alter und körperliche Voraussetzungen,
- Schwangerschaft oder Familienplanung,
- Alltag, Beruf und persönliche Prioritäten.
Bei einer systemischen Erkrankung kann der Schutz eines betroffenen Organs besonders dringlich sein. Bei anderen Verläufen stehen zunächst Schmerzen, Beweglichkeit oder die Vermeidung weiterer Schäden im Vordergrund.
Die Behandlung muss deshalb immer zur konkreten Erkrankung und zur persönlichen Situation passen. Für Erkrankungen wie rheumatoide Arthritis, Psoriasis-Arthritis, Spondyloarthritis, Lupus, Vaskulitiden, Gicht oder Arthrose gelten unterschiedliche Therapieempfehlungen.
Wenn Organe oder Nerven akut gefährdet sind
Manche rheumatischen Systemerkrankungen können nicht nur Schmerzen oder Gelenkbeschwerden verursachen, sondern beispielsweise Nieren, Lunge, Herz, Augen, Gefäße, Muskeln oder Nerven bedrohen.
Bei einer möglichen organ- oder lebensbedrohlichen Beteiligung gelten andere Prioritäten als bei einer langfristigen Behandlung stabiler Beschwerden.
Dann können notwendig sein:
- eine rasche fachärztliche oder stationäre Beurteilung,
- eine zügige Kontrolle der Krankheitsaktivität,
- organspezifische Untersuchungen,
- eine engmaschige Überwachung,
- die Zusammenarbeit mehrerer Fachrichtungen,
- bei seltenen oder komplizierten Verläufen ein erfahrenes Zentrum.
Beispiele sind unter anderem:
- rasch fortschreitende Nierenveränderungen,
- Lungenblutungen oder schwere entzündliche Lungenbeteiligungen,
- akute Sehgefährdung,
- schwere Herzbeteiligungen,
- rasch zunehmende Muskelschwäche oder Schluckstörungen,
- eine vaskulitische Schädigung einzelner Nerven.
Welche Behandlung notwendig ist, hängt von der konkreten Erkrankung, dem betroffenen Organ und der Dringlichkeit ab.
Wichtig Diese Seite nennt bewusst keine Medikamentenkombinationen für organ- oder lebensbedrohliche Situationen. Solche Entscheidungen benötigen eine gesicherte Diagnose, eine Organbewertung und eine individuelle fachärztliche Behandlung.
Welche Ziele kann eine Behandlung verfolgen?
Je nach Erkrankung kann eine Behandlung unterschiedliche Ziele haben.
Dazu gehören beispielsweise:
- Entzündungen kontrollieren,
- Krankheitsaktivität verringern,
- Schmerzen lindern,
- Gelenk- und Organschäden verhindern oder begrenzen,
- Beweglichkeit erhalten oder verbessern,
- Kraft und körperliche Funktion unterstützen,
- Erschöpfung und weitere Begleitbeschwerden berücksichtigen,
- Selbstständigkeit und Teilhabe bewahren,
- Lebensqualität verbessern.
Nicht jedes Ziel lässt sich bei jedem Menschen vollständig erreichen.
Manche entzündlichen Erkrankungen können über längere Zeit sehr gut kontrolliert werden. Bei bereits bestehenden strukturellen Schäden kann das Ziel eher darin bestehen, weitere Verschlechterungen zu begrenzen, Beschwerden zu lindern und vorhandene Fähigkeiten möglichst gut zu erhalten.
Wichtig Eine Behandlung kann erfolgreich sein, auch wenn nicht jedes Symptom vollständig verschwindet. Gleichzeitig dürfen anhaltende Beschwerden nicht allein deshalb abgetan werden, weil einzelne Laborwerte oder Entzündungszeichen verbessert sind.
Behandlung nach einem vereinbarten Ziel
Bei der rheumatoiden Arthritis und bei einigen weiteren entzündlich-rheumatischen Erkrankungen wird ein krankheitsspezifisches Therapieziel festgelegt.
Ob und wie dieses Prinzip eingesetzt wird, hängt von der jeweiligen Erkrankung ab. Verlauf, Krankheitsaktivität und mögliche Schäden werden regelmäßig beurteilt; bei unzureichender Wirkung kann die Behandlung ärztlich angepasst werden.
Dieses Vorgehen wird häufig als „Treat to Target“ bezeichnet – also als Behandlung nach einem festgelegten Ziel.
Ein solches Ziel kann je nach Erkrankung beispielsweise sein:
- möglichst geringe Krankheitsaktivität,
- eine Ruhephase der Erkrankung,
- Schutz eines betroffenen Organs,
- Vermeidung neuer Schäden,
- bessere körperliche Funktion.
Das Therapieziel wird nicht allein aus einem Laborwert abgeleitet. Beschwerden, Untersuchung, Bildgebung, Organbefunde, Lebenssituation und mögliche Nebenwirkungen müssen gemeinsam betrachtet werden.
Behandlung in stabiler Remission vorsichtig reduzieren
Wird ein Therapieziel über längere Zeit stabil erreicht, kann je nach Erkrankung geprüft werden, ob eine Behandlung vorsichtig reduziert werden kann.
Das bedeutet nicht automatisch, sämtliche Medikamente abzusetzen.
Bei rheumatoider Arthritis können krankheitsverändernde Medikamente in anhaltender Remission unter bestimmten Voraussetzungen reduziert werden. Ein vollständiges Absetzen führt jedoch häufig zu einem erneuten Krankheitsschub.
Vor einer Reduktion sollte unter anderem geklärt werden:
- Wie lange ist die Erkrankung bereits stabil?
- Bestehen noch klinische oder bildgebende Entzündungszeichen?
- Welche Schäden oder Organrisiken liegen vor?
- Wie schwer waren frühere Schübe?
- Welches Medikament kann in welcher Reihenfolge verändert werden?
- Wie wird nach der Reduktion kontrolliert?
Eine Therapiereduktion ist deshalb eine gemeinsame, überwachte Entscheidung und kein eigenständiger Absetzversuch.
Medikamentöse Behandlung – grundsätzlich erklärt
Medikamente können unterschiedliche Aufgaben haben.
Einige sollen Beschwerden kurzfristig lindern. Andere greifen in die Krankheitsaktivität ein und sollen Entzündungen oder weitere Schäden langfristig verhindern.
Die folgenden Gruppen dienen nur der verständlichen Orientierung. Sie sind keine persönliche Behandlungsempfehlung und keine Aufforderung, Medikamente selbst auszuwählen oder zu verändern.
Medikamente gegen Schmerzen
Schmerzmittel können Schmerzen lindern und dadurch Bewegung oder Alltag erleichtern.
Sie behandeln jedoch nicht automatisch die Ursache der Beschwerden.
Je nach Wirkstoff, Dosierung, Dauer, Begleiterkrankungen und anderen Medikamenten können unterschiedliche Risiken bestehen. Deshalb muss besonders bei einer längerfristigen Einnahme geprüft werden, welches Präparat in welcher Situation geeignet ist.
Auch frei verkäufliche Schmerzmittel sind nicht für jeden Menschen harmlos. Vorerkrankungen, Wechselwirkungen und die gleichzeitige Einnahme mehrerer Präparate können eine Rolle spielen.
Nichtsteroidale entzündungshemmende Medikamente
Nichtsteroidale Antirheumatika werden häufig mit NSAR abgekürzt.
Sie können:
- Schmerzen lindern,
- Entzündungsreaktionen verringern,
- Schwellungen und Steifigkeit reduzieren.
Sie können bei verschiedenen rheumatischen und orthopädischen Beschwerden eingesetzt werden. Sie verändern jedoch nicht bei jeder entzündlich-rheumatischen Erkrankung den langfristigen Krankheitsverlauf.
Ob und wie lange ein NSAR geeignet ist, hängt unter anderem von Begleiterkrankungen, anderen Medikamenten und persönlichen Risiken ab.
Glukokortikoide – häufig als Kortison bezeichnet
Glukokortikoide können Entzündungen oft schnell und wirksam unterdrücken.
Sie können beispielsweise eingesetzt werden:
- bei einem akuten Krankheitsschub,
- als zeitlich begrenzte Überbrückung,
- bei bestimmten Organbeteiligungen,
- wenn eine rasche Entzündungskontrolle notwendig ist.
Nutzen, Dosierung und Behandlungsdauer unterscheiden sich je nach Erkrankung erheblich.
Bei längerer oder höher dosierter Behandlung können relevante Nebenwirkungen entstehen.
Je nach Dosis, Dauer und persönlichem Risiko sollten unter anderem mitgedacht werden:
- Knochenabbau und Knochenbruchrisiko,
- Blutzucker und Blutdruck,
- Infektionsrisiken,
- Muskelabbau,
- Augenveränderungen,
- Hautveränderungen,
- eine Unterdrückung der körpereigenen Kortisolproduktion.
Deshalb kann zusätzlich ein Schutz- und Kontrollplan notwendig sein, beispielsweise mit:
- Überprüfung des Osteoporoserisikos,
- ausreichender Calcium- und Vitamin-D-Versorgung,
- angepasster körperlicher Aktivität,
- gegebenenfalls einer gezielten Osteoporosebehandlung,
- Blutdruck-, Stoffwechsel- und Augenuntersuchungen.
Welche Maßnahmen notwendig sind, hängt nicht allein davon ab, ob ein Präparat umgangssprachlich als „Kortison“ bezeichnet wird. Entscheidend sind der konkrete Wirkstoff, die Dosis, die Dauer und das persönliche Risiko.
Glukokortikoide dürfen insbesondere nach längerer oder höher dosierter Einnahme in der Regel nicht plötzlich abgesetzt werden.
Ob und wie die Dosis reduziert wird, richtet sich nach Erkrankung, Behandlungsdauer und persönlicher Situation.
Auch andere regelmäßig eingenommene Medikamente sollten nur nach dem vereinbarten Behandlungsplan oder nach ärztlicher Rücksprache verändert werden.
Krankheitsverändernde Basistherapien
Bei entzündlich-rheumatischen Erkrankungen können sogenannte krankheitsmodifizierende antirheumatische Medikamente eingesetzt werden.
Die englische Abkürzung lautet DMARD.
Diese Medikamente sollen nicht nur Schmerzen lindern. Sie sollen die zugrunde liegende Krankheitsaktivität beeinflussen und dadurch beispielsweise:
- Entzündungen langfristig kontrollieren,
- Krankheitsschübe verringern,
- Gelenk- oder Organschäden verhindern,
- den Krankheitsverlauf günstig beeinflussen.
Die Wirkung setzt je nach Medikament und Erkrankung nicht immer sofort ein. Deshalb können in der Anfangsphase zusätzliche Medikamente zur Überbrückung notwendig sein.
Konventionelle Basistherapien
Konventionelle synthetische Basistherapien werden auch als csDMARDs bezeichnet.
Sie greifen auf unterschiedliche Weise in entzündliche oder immunologische Prozesse ein.
Je nach Medikament können regelmäßige Kontrollen notwendig sein, beispielsweise von:
- Blutbild,
- Leberwerten,
- Nierenwerten,
- Blutdruck,
- weiteren organspezifischen Befunden.
Welche Kontrollen erforderlich sind, hängt vom konkret eingesetzten Medikament und der persönlichen Situation ab.
Biologische Therapien
Biologische Medikamente werden auch als Biologika oder bDMARDs bezeichnet.
Sie werden mithilfe biologischer Verfahren hergestellt und richten sich gegen bestimmte Bestandteile oder Signalwege des Immunsystems.
Je nach Erkrankung können sie eingesetzt werden, wenn:
- eine konventionelle Basistherapie nicht ausreichend wirkt,
- sie nicht vertragen wird,
- die Erkrankung oder Organbeteiligung eine andere Behandlung erfordert.
Vor und während der Behandlung können Untersuchungen auf bestimmte Infektionen und regelmäßige Kontrollen notwendig sein.
Zielgerichtete synthetische Therapien
Zielgerichtete synthetische Basistherapien werden auch als tsDMARDs bezeichnet.
Sie greifen gezielt in bestimmte Signalwege innerhalb von Zellen ein.
Auch hier müssen mögliche Vorteile und Risiken individuell abgewogen werden.
Bei bestimmten zielgerichteten Therapien – insbesondere Januskinase-Hemmern, kurz JAK-Hemmern – werden je nach persönlicher Situation unter anderem berücksichtigt:
- höheres Lebensalter,
- Rauchen oder frühere starke Rauchbelastung,
- Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder entsprechende Risikofaktoren,
- frühere Thrombosen oder Embolien,
- bestimmte Krebserkrankungen,
- Infektionsrisiken,
- weitere Begleiterkrankungen.
Diese Faktoren bedeuten nicht automatisch, dass ein Medikament ungeeignet ist. Sie verändern aber die Nutzen-Risiko-Abwägung und können die Wahl zwischen verschiedenen Behandlungswegen beeinflussen.
Die Bezeichnung „zielgerichtet“ bedeutet deshalb nicht automatisch „nebenwirkungsarm“ – ebenso wenig bedeutet eine lange Liste möglicher Risiken, dass diese bei jedem Menschen auftreten.
Die Auswahl zwischen konventionellen, biologischen und zielgerichteten Therapien richtet sich nicht allein danach, welches Medikament „moderner“ ist. Entscheidend sind Erkrankung, Therapieziel, Sicherheitsprofil und persönliche Situation.
Weitere krankheitsspezifische Behandlungen
Nicht jede Erkrankung des rheumatischen Formenkreises wird mit einer klassischen immunhemmenden Basistherapie behandelt.
Je nach Erkrankung können beispielsweise Behandlungen notwendig sein, die:
- den Harnsäurespiegel langfristig senken,
- akute Kristallentzündungen behandeln,
- den Knochenstoffwechsel und die Knochenstabilität unterstützen,
- eine bestimmte Organbeteiligung behandeln,
- Schmerzen mit unterschiedlicher Ursache gezielt berücksichtigen,
- Begleiterkrankungen in die Gesamtbehandlung einbeziehen.
Eine Infektion ist dagegen keine rheumatische Erkrankung. Sie kann rheumatische Beschwerden nachahmen, eine Behandlung erschweren oder unter einer immunsuppressiven Therapie besondere Maßnahmen erfordern.
Deshalb ist es wichtig, Rheuma nicht mit einer einzigen Medikamentengruppe gleichzusetzen.
Wirkung braucht manchmal Zeit
Nicht jede Behandlung wirkt sofort.
Je nach Erkrankung und Medikament kann es dauern, bis eine Veränderung zuverlässig beurteilt werden kann.
Während dieser Zeit wird häufig geprüft:
- Entwickeln sich die Beschwerden wie erwartet?
- Gehen Schwellungen oder Entzündungszeichen zurück?
- Verbessern sich Beweglichkeit oder Belastbarkeit?
- Bleiben neue Schäden oder Organveränderungen aus?
- Treten Nebenwirkungen auf?
- Wird das vereinbarte Therapieziel erreicht?
Eine zu frühe Bewertung kann ebenso problematisch sein wie ein unnötig langes Festhalten an einer unwirksamen oder schlecht verträglichen Behandlung.
Der passende Zeitpunkt für die Bewertung hängt vom Medikament, von der Erkrankung und von der Dringlichkeit der Situation ab.
Behandlung überwachen
Regelmäßige Kontrollen sind ein Bestandteil der sicheren Behandlung.
Dass Kontrollen erforderlich sind, bedeutet nicht automatisch, dass ein Medikament ungeeignet ist. Es zeigt aber, dass Wirkung, mögliche Nebenwirkungen und Organfunktionen zuverlässig überwacht werden müssen.
Kontrollen dienen dazu:
- Wirkung zu beurteilen,
- Nebenwirkungen früh zu erkennen,
- die Dosis oder Behandlung bei Bedarf anzupassen,
- Organfunktionen zu überwachen,
- Infektionsrisiken zu berücksichtigen,
- Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten zu vermeiden.
Je nach Behandlung können dazugehören:
- ärztliche Gespräche und körperliche Untersuchungen,
- Blut- oder Urinuntersuchungen,
- Blutdruckmessungen,
- Augenuntersuchungen,
- Bildgebung,
- Lungen- oder Herzuntersuchungen,
- weitere organspezifische Kontrollen.
Welche Kontrollen notwendig sind, richtet sich immer nach dem verwendeten Medikament und der individuellen Situation.
Infektionsschutz und Impfungen
Einige Medikamente beeinflussen das Immunsystem und können das Risiko bestimmter Infektionen verändern.
Vor Beginn bestimmter immunmodulierender oder immunsuppressiver Behandlungen wird geprüft, ob ruhende oder bisher unerkannte Infektionen unter der Therapie wieder aktiv werden könnten.
Je nach Medikament und persönlichem Risiko können dazugehören:
- Untersuchung auf eine latente Tuberkulose,
- Hepatitis-B-Status,
- gegebenenfalls Hepatitis C,
- weitere Infektionen entsprechend Vorgeschichte, Reise-, Aufenthalts- oder Expositionsrisiko.
Ein positiver Screeningbefund bedeutet nicht automatisch, dass eine Rheumatherapie grundsätzlich unmöglich ist. Er kann aber eine zusätzliche Behandlung, Prophylaxe, fachärztliche Mitbetreuung oder eine andere zeitliche Planung erfordern.
Impfungen sollten möglichst vorausschauend besprochen werden.
Nicht jede Impfung erfordert eine Veränderung der Rheumatherapie. Welche Impfstoffe geeignet sind und welcher Zeitpunkt sinnvoll ist, hängt unter anderem vom Impfstoff, der Erkrankung und der laufenden Behandlung ab.
Besonders bei Lebendimpfstoffen muss berücksichtigt werden, ob und wie stark das Immunsystem bereits beeinflusst wird.
Medikamente dürfen weder wegen einer Impfung noch wegen eines Infekts pauschal eigenmächtig pausiert werden. Impfzeitpunkt und mögliche Therapieanpassungen müssen für das konkrete Medikament abgestimmt werden.
Kinderwunsch, Schwangerschaft und Stillzeit
Kinderwunsch und Familienplanung sollten möglichst früh angesprochen werden – bei Frauen und Männern.
Einige antirheumatische Medikamente können vor oder während einer Schwangerschaft weiterverwendet werden. Andere müssen rechtzeitig ersetzt oder pausiert werden.
Dabei geht es nicht darum, möglichst alle Medikamente abzusetzen.
Auch eine unzureichend kontrollierte rheumatische Erkrankung kann Risiken für Schwangerschaft, Mutter oder Kind verursachen. Ziel ist deshalb eine Behandlung, die:
- die Erkrankung möglichst stabil hält,
- mit Schwangerschaft oder Stillzeit vereinbar ist,
- nicht erst nach Eintritt einer ungeplanten Schwangerschaft überprüft wird.
Besprochen werden sollten unter anderem:
- aktueller Kinderwunsch,
- Verhütung bei nicht geeigneten Medikamenten,
- notwendige zeitliche Abstände,
- Krankheitsaktivität vor einer Schwangerschaft,
- Medikamente während Schwangerschaft und Stillzeit,
- Behandlung des anderen Elternteils,
- Vorgehen bei einer ungeplanten Schwangerschaft.
Medikamente sollten bei einem Kinderwunsch oder einem positiven Schwangerschaftstest nicht eigenmächtig abgesetzt werden. Die behandelnde Praxis sollte zeitnah kontaktiert werden.
Bewegung und körperliche Aktivität
Bewegung und körperliche Aktivität sollten bei entzündlicher Arthritis und Arthrose während des gesamten Krankheitsverlaufs mitgedacht werden.
Ein passendes Bewegungsprogramm kann – abhängig von Erkrankung und Möglichkeiten – verschiedene Bereiche kombinieren:
- Ausdauer,
- Muskelkraft,
- Beweglichkeit,
- Gleichgewicht und Bewegungssteuerung.
Nicht jeder Mensch muss alle Bereiche gleichzeitig oder in gleicher Intensität trainieren.
Vor einer Empfehlung sollten unter anderem berücksichtigt werden:
- aktuelle Krankheitsaktivität,
- Gelenk- und Organschäden,
- Sturz- und Knochenbruchrisiko,
- Herz-, Lungen- und neurologische Erkrankungen,
- Schmerzen und Fatigue,
- bisherige Aktivität,
- Hilfsmittel und tatsächliche körperliche Möglichkeiten,
- persönliche Ziele und Barrieren.
Auch kurze, angepasste Aktivitätsphasen können sinnvoll sein. Langes Sitzen und vollständige Inaktivität sollten – soweit medizinisch und körperlich möglich – regelmäßig unterbrochen werden.
Technische Hilfen oder Aktivitätstracker können manche Menschen unterstützen. Sie dürfen aber nicht zu Druck, Schuldgefühlen oder einem unpassenden starren Schrittziel führen.
Die aktuellen EULAR-Empfehlungen zur körperlichen Aktivität tragen die Bezeichnung „2025 Update“ und wurden am 26. April 2026 online veröffentlicht. Sie unterstützen körperliche Aktivität während des gesamten Krankheitsverlaufs und betonen die Anpassung an die individuelle Situation.
Wichtig Bewegung ist kein Beweis von Disziplin und fehlende Belastbarkeit kein persönliches Versagen. Eine Aktivität ist nur dann hilfreich, wenn sie zur Erkrankung und zur tatsächlichen körperlichen Möglichkeit passt.
Belastung anpassen statt pauschal schonen
Schmerzen können verständlicherweise dazu führen, Bewegung zu vermeiden.
Eine vollständige Ruhigstellung kann jedoch je nach Erkrankung zusätzlich zu:
- Kraftverlust,
- geringerer Beweglichkeit,
- Unsicherheit bei Bewegungen,
- weiter abnehmender Belastbarkeit
beitragen.
Umgekehrt kann unkontrollierte Überforderung Beschwerden verstärken.
Die richtige Belastung liegt deshalb nicht pauschal zwischen „mehr bewegen“ und „mehr schonen“. Sie muss individuell gefunden und bei Veränderungen angepasst werden.
Bei einer akuten Entzündung, neuen neurologischen Ausfällen, einem frisch verletzten Gelenk oder anderen besonderen Situationen kann vorübergehend eine andere Belastungsstrategie notwendig sein.
Physiotherapie
Physiotherapie kann je nach Erkrankung unterschiedliche Ziele verfolgen.
Dazu gehören beispielsweise:
- Beweglichkeit erhalten oder verbessern,
- Muskulatur kräftigen,
- Gelenke stabilisieren,
- Haltung und Bewegungsabläufe verbessern,
- Atemfunktion unterstützen,
- Gleichgewicht trainieren,
- geeignete Eigenübungen erlernen,
- nach Operationen oder längeren Krankheitsphasen wieder sicherer aktiv werden.
Physiotherapie besteht nicht nur aus passiven Behandlungen.
Ein wichtiger Bestandteil kann darin bestehen, Bewegungen und Übungen zu finden, die der betroffene Mensch selbst sicher in den Alltag übernehmen kann.
Ergotherapie
Ergotherapie richtet den Blick besonders auf die Tätigkeiten des täglichen Lebens.
Sie kann beispielsweise unterstützen bei:
- Anziehen und Körperpflege,
- Essen und Kochen,
- Schreiben und Arbeiten,
- Greifen und Halten,
- Gelenkschutz,
- Umgang mit Schmerzen oder Kraftverlust,
- Planung von Pausen und Belastungen,
- Auswahl und Erprobung von Hilfsmitteln,
- Anpassung von Arbeitsplatz oder Wohnumfeld.
Das Ziel ist nicht, jede Tätigkeit um jeden Preis wie früher auszuführen.
Es geht darum, Selbstständigkeit, Sicherheit und Teilhabe möglichst gut zu erhalten und unnötige Belastungen zu vermeiden.
Hilfsmittel und Anpassungen
Hilfsmittel können Tätigkeiten erleichtern oder überhaupt erst wieder ermöglichen.
Dazu können je nach Bedarf gehören:
- Greif- und Öffnungshilfen,
- ergonomische Griffe,
- Schienen oder Orthesen,
- Geh- oder Mobilitätshilfen,
- angepasste Sitzmöglichkeiten,
- Hilfen für Bad, Küche oder Arbeitsplatz,
- technische Assistenzsysteme.
Ein Hilfsmittel ist kein Zeichen des Aufgebens.
Es kann ein Werkzeug sein, um Kraft zu sparen, Schmerzen zu reduzieren und mehr Selbstständigkeit zu bewahren.
Schmerzbehandlung ist ein eigenes Thema
Schmerzen können unterschiedliche Ursachen und Verstärker haben.
Möglich sind beispielsweise:
- aktive Entzündung,
- bereits entstandene Gelenk- oder Gewebeschäden,
- Muskelverspannungen,
- Fehl- oder Schonbelastungen,
- Nervenbeteiligung,
- Schlafmangel,
- langfristig veränderte Schmerzverarbeitung.
Deshalb kann eine kontrollierte Entzündung zwar ein wichtiges Therapieziel sein, aber nicht automatisch jeden Schmerz beseitigen.
Anhaltende Schmerzen müssen ernst genommen und erneut eingeordnet werden. Dabei kann geprüft werden:
- Ist die Grunderkrankung ausreichend kontrolliert?
- Bestehen strukturelle Schäden?
- Gibt es eine zusätzliche Schmerzursache?
- Sind Nerven beteiligt?
- Wie wirken Schlaf, Erschöpfung und Belastung?
- Welche Behandlungen helfen tatsächlich?
- Welche Nebenwirkungen entstehen durch die bisherige Schmerztherapie?
Bei chronischen Schmerzen kann eine Behandlung auf mehreren Ebenen notwendig sein. Sie kann körperliche, medikamentöse, psychologische und soziale Faktoren berücksichtigen.
Das bedeutet nicht, dass der Schmerz „nur psychisch“ oder eingebildet ist.
Erschöpfung und Fatigue
Ausgeprägte Erschöpfung kann bei entzündlich-rheumatischen Erkrankungen eine erhebliche Belastung sein.
Fatigue sollte regelmäßig angesprochen werden – auch dann, wenn Laborwerte oder Krankheitsaktivität bereits besser erscheinen.
Zunächst wird geprüft, welche behandelbaren Faktoren beitragen können, beispielsweise:
- aktive Entzündung,
- Schmerzen,
- Schlafstörungen,
- Blutarmut,
- Schilddrüsen- oder andere körperliche Erkrankungen,
- Nebenwirkungen von Medikamenten,
- depressive Beschwerden oder Ängste,
- körperliche Inaktivität oder Überforderung.
Je nach Ergebnis können unter anderem sinnvoll sein:
- bessere Kontrolle der Grunderkrankung,
- individuell angepasste körperliche Aktivität,
- strukturierte Patientenschulung,
- psychologische oder psychoedukative Unterstützung,
- Schlafdiagnostik oder Schlafbehandlung,
- Anpassung belastender Medikamente,
- Planung von Tätigkeiten, Pausen und Energie.
Reines „mehr Ausruhen“ löst Fatigue nicht zwangsläufig. Umgekehrt darf ein Aktivitätsprogramm nicht zu einem starren Durchhalteprogramm werden.
Die Behandlung richtet sich danach, welche Faktoren bei dem betroffenen Menschen tatsächlich eine Rolle spielen.
Behandlung und Unterstützung bei Schluckbeschwerden
Die Behandlung von Schluckbeschwerden richtet sich nach ihrer Ursache.
Eine rheumatische Grunderkrankung kann bei einzelnen Menschen beteiligt sein – beispielsweise eine entzündliche Muskelerkrankung, systemische Sklerose oder eine ausgeprägte Mundtrockenheit bei Sjögren. Häufig bestehen aber auch neurologische, strukturelle oder gastroenterologische Ursachen.
Die Behandlung kann deshalb mehrere Ebenen umfassen.
Behandlung der zugrunde liegenden Erkrankung
Wenn eine aktive entzündliche Muskel- oder Systemerkrankung für die Schluckstörung mitverantwortlich ist, kann eine krankheitsspezifische medikamentöse Behandlung notwendig sein.
Eine Verbesserung der allgemeinen Muskelkraft bedeutet dabei nicht automatisch, dass auch das Schlucken bereits sicher funktioniert. Schluckfunktion und Aspirationsrisiko müssen gegebenenfalls gesondert kontrolliert werden.
Logopädische beziehungsweise schlucktherapeutische Unterstützung
Eine spezialisierte Schlucktherapie kann beispielsweise:
- sichere Schlucktechniken erarbeiten,
- geeignete Haltungen oder Bewegungsabläufe prüfen,
- Übungen für bestimmte Schluckfunktionen einsetzen,
- Angehörige und Pflegepersonen anleiten,
- die Alltagstauglichkeit von Empfehlungen überprüfen.
Solche Maßnahmen müssen zur diagnostizierten Schluckstörung passen.
Ernährung und Flüssigkeit sichern
Bei Schluckbeschwerden muss gleichzeitig darauf geachtet werden, dass ausreichend:
- Energie,
- Eiweiß,
- Flüssigkeit,
- Medikamente
sicher aufgenommen werden können.
Bei Gewichtsverlust, Austrocknung oder Mangelernährung sollte früh eine qualifizierte Ernährungstherapie einbezogen werden.
Keine pauschale Konsistenztherapie
Speisen sollten nicht allein aufgrund allgemeiner Internettipps püriert und Getränke nicht eigenmächtig angedickt werden.
Welche Konsistenz sicher ist, hängt davon ab, welcher Teil des Schluckvorgangs gestört ist.
Bei schwerer Dysphagie können vorübergehend weitergehende Ernährungswege notwendig werden. Solche Entscheidungen benötigen eine individuelle ärztliche, schlucktherapeutische und ernährungsmedizinische Abwägung.
Beschwerden gezielt behandeln – Beispiel Trockenheit
Nicht jedes Beschwerdebild benötigt oder verbessert sich durch eine stärkere allgemeine Immunsuppression.
Bei ausgeprägter Augen- oder Mundtrockenheit können lokale und unterstützende Maßnahmen einen wichtigen Teil der Behandlung bilden.
Je nach Ursache und Schweregrad können dazugehören:
- geeignete Tränenersatzmittel und augenärztliche Behandlung,
- Speichelersatz oder speichelanregende Maßnahmen,
- sorgfältige Mund- und Zahnpflege,
- regelmäßige zahnärztliche Kontrollen,
- Schutz vor Karies und Schleimhautschäden,
- Behandlung von Pilzinfektionen oder Entzündungen im Mund,
- Prüfung von Medikamenten, die Trockenheit verstärken können.
Bei Schluckbeschwerden, Gewichtsverlust oder wiederkehrenden Speicheldrüsenschwellungen reicht eine reine Symptombehandlung nicht aus. Dann muss die Ursache erneut geprüft werden.
Auch bei anderen rheumatischen Systemerkrankungen können organspezifische Behandlungen notwendig sein – beispielsweise für Augen, Haut, Lunge, Speiseröhre, Gefäße oder Nieren.
Patientenschulung und Selbstmanagement
Patientenschulung soll Menschen nicht die Verantwortung für ihre Erkrankung zuschieben.
Sie kann dabei helfen:
- die eigene Erkrankung besser zu verstehen,
- Medikamente und Kontrollen einzuordnen,
- Warnzeichen zu erkennen,
- Fragen für Arzttermine vorzubereiten,
- Belastungen realistischer zu planen,
- mit Schmerzen oder Erschöpfung umzugehen,
- Entscheidungen gemeinsam mit dem Behandlungsteam zu treffen.
Selbstmanagement bedeutet nicht, die medizinische Behandlung allein übernehmen zu müssen.
Es bedeutet, Wissen und Fähigkeiten zu erhalten, um im Alltag informierter und selbstbestimmter handeln zu können.
Rehabilitation und Funktionstraining
Eine medizinische Rehabilitation kann sinnvoll sein, wenn eine Erkrankung den Alltag, die Mobilität, die Selbstversorgung oder die berufliche und gesellschaftliche Teilhabe deutlich beeinträchtigt.
Mögliche Bestandteile sind:
- ärztliche Behandlung,
- Physio- und Ergotherapie,
- Bewegungstherapie,
- Schmerzbewältigung,
- Hilfsmittelberatung,
- Patientenschulung,
- psychologische Unterstützung,
- Sozialberatung,
- berufliche Orientierung.
Funktionstraining oder andere angeleitete Bewegungsangebote können helfen, Bewegung regelmäßig und angepasst in den Alltag einzubauen.
Welche Leistung infrage kommt und wer die Kosten übernimmt, hängt von der individuellen Situation und den sozialrechtlichen Voraussetzungen ab.
Psychologische Unterstützung
Eine chronische Erkrankung kann körperlich und seelisch belastend sein.
Psychologische oder psychotherapeutische Unterstützung kann beispielsweise helfen:
- mit dauerhaften Schmerzen umzugehen,
- Ängste vor Verschlechterung zu bearbeiten,
- veränderte Lebenspläne zu verarbeiten,
- Grenzen anzuerkennen,
- Konflikte in Partnerschaft oder Familie zu bewältigen,
- mit Schlafproblemen oder depressiven Beschwerden umzugehen.
Eine solche Unterstützung bedeutet nicht, dass die körperliche Erkrankung infrage gestellt wird.
Körperliche und seelische Belastungen können gleichzeitig bestehen und sich gegenseitig beeinflussen.
Selbsthilfe und soziale Beratung
Der Austausch mit anderen Betroffenen kann entlastend sein.
Selbsthilfegruppen oder Patientenorganisationen können beispielsweise bieten:
- persönliche Erfahrungen,
- praktische Alltagstipps,
- Informationen über regionale Angebote,
- Hinweise zu Bewegung oder Funktionstraining,
- Unterstützung beim Umgang mit der Erkrankung.
Persönliche Erfahrungen anderer können wertvoll sein. Sie ersetzen jedoch keine individuelle medizinische Beratung.
Soziale Beratung kann zusätzlich helfen bei Fragen zu:
- Rehabilitation,
- Hilfsmitteln,
- Pflege,
- Schwerbehinderung,
- Beruf und Arbeitsplatz,
- finanziellen oder sozialrechtlichen Leistungen.
Gemeinsam über die Behandlung entscheiden
Eine Behandlung sollte nicht nur erklärt, sondern möglichst gemeinsam besprochen werden.
Dazu gehört, dass Betroffene Fragen stellen und persönliche Ziele benennen dürfen.
Zum Beispiel:
- Was ist das wichtigste Therapieziel?
- Welche Wirkung ist realistisch?
- Wann kann die Wirkung beurteilt werden?
- Welche Nebenwirkungen sind möglich?
- Welche Kontrollen werden benötigt?
- Welche Alternativen bestehen?
- Wie passt die Behandlung zu Alltag und anderen Erkrankungen?
- Was geschieht, wenn die Behandlung nicht ausreichend hilft?
- Welche Beschwerden müssen rasch gemeldet werden?
Gemeinsame Entscheidung bedeutet nicht, dass medizinische Risiken beliebig verhandelbar sind.
Sie bedeutet, dass medizinisches Fachwissen und die persönliche Lebenssituation gemeinsam in die Entscheidung einfließen.
Wenn eine Behandlung nicht ausreichend hilft
Es kann vorkommen, dass eine Behandlung:
- nicht ausreichend wirkt,
- ihre Wirkung verliert,
- nicht vertragen wird,
- im Alltag nicht praktikabel ist,
- durch Wechselwirkungen oder Begleiterkrankungen problematisch wird.
Dann sollte gemeinsam geprüft werden:
- Wurde die Behandlung ausreichend lange und wie vereinbart angewendet?
- Ist die Erkrankung noch aktiv?
- Gibt es neue oder zusätzliche Ursachen der Beschwerden?
- Sind bereits Schäden entstanden?
- Bestehen relevante Nebenwirkungen?
- Passen Diagnose und Therapieziel weiterhin?
- Gibt es eine andere geeignete Behandlung?
- Wird zusätzliche Schmerz-, Physio- oder Ergotherapie benötigt?
- Ist eine spezialisierte oder interdisziplinäre Beurteilung sinnvoll?
Anhaltende Beschwerden bedeuten nicht automatisch, dass „nichts mehr möglich“ ist.
Sie bedeuten aber auch nicht automatisch, dass einfach nur die Medikamentendosis erhöht werden sollte.
Medikamente nicht eigenmächtig verändern
Ein Medikament sollte nicht allein aufgrund eines Internettextes:
- begonnen,
- höher oder niedriger dosiert,
- pausiert,
- kombiniert,
- ersetzt,
- abrupt abgesetzt
werden.
Das gilt auch dann, wenn eine Behandlung scheinbar nicht wirkt oder Nebenwirkungen vermutet werden.
Bei Problemen sollte möglichst geklärt werden:
- Welches Medikament könnte die Beschwerden verursachen?
- Muss die Behandlung sofort oder kontrolliert verändert werden?
- Besteht ein Risiko durch plötzliches Absetzen?
- Ist eine Untersuchung notwendig?
- Welche sichere Alternative gibt es?
Patavio-Sicherheitskasten Medikamente niemals aufgrund eines Internettextes beginnen, absetzen oder verändern. Bei vermuteten Nebenwirkungen, Infektionen oder einer deutlichen Verschlechterung sollte die behandelnde Praxis oder eine geeignete medizinische Anlaufstelle kontaktiert werden.
Beschwerden unter einer Behandlung rasch abklären
Welche Warnzeichen wichtig sind, hängt vom Medikament und von der Erkrankung ab.
Die persönlichen Hinweise der behandelnden Praxis und die Informationen zum konkreten Medikament haben deshalb Vorrang.
Für Infekte sollte möglichst vorab mit der behandelnden Praxis geklärt werden, welche Medikamente unverändert weitergenommen und welche in bestimmten Situationen pausiert werden sollen.
Ohne einen solchen persönlichen Plan sollte eine Rheumatherapie bei einem Infekt weder pauschal fortgesetzt noch pauschal abgesetzt werden.
Entscheidend sind das konkrete Medikament, die Art und Schwere des Infekts sowie die Grunderkrankung.
Bei Fieber, Schüttelfrost, deutlichem Krankheitsgefühl oder neuen Infektzeichen unter einer immunmodulierenden oder immunsuppressiven Behandlung sollte zeitnah medizinischer Rat eingeholt werden.
Dringend ärztlich abgeklärt werden sollten außerdem:
- hohes oder anhaltendes Fieber,
- neue oder zunehmende Atemnot,
- eine rasch zunehmende Schwellung von Gesicht, Mund oder Hals,
- eine schwere Hautreaktion,
- Bewusstseinsstörungen,
- eine deutliche und schnelle Verschlechterung des Allgemeinzustands.
Bei schwerer Atemnot, Bewusstlosigkeit, Kreislaufzusammenbruch oder einer rasch zunehmenden Schwellung von Gesicht, Mund oder Hals ist sofort der Notruf 112 zu wählen.
Außerhalb der üblichen Sprechzeiten kann der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116117 bei dringenden, aber nicht lebensbedrohlichen Beschwerden helfen.
Was diese Seite leisten kann – und was nicht
Diese Seite kann erklären:
- welche grundlegenden Behandlungswege es gibt,
- welche Aufgaben verschiedene Medikamentengruppen haben,
- warum bei Organ- oder Nervenbeteiligungen andere Prioritäten gelten können,
- warum Kontrollen, Infektionsscreening und Schutzmaßnahmen notwendig sein können,
- was bei Kinderwunsch, Schwangerschaft und Stillzeit berücksichtigt wird,
- welche Rolle Bewegung und therapeutische Unterstützung spielen,
- warum Schmerzen und Fatigue eigene Behandlungsthemen sind,
- wie Schluckbeschwerden interdisziplinär behandelt und Ernährung sowie Flüssigkeit gesichert werden können,
- warum lokale und organspezifische Maßnahmen wichtig sein können,
- warum persönliche Ziele in Therapieentscheidungen gehören.
Sie kann nicht entscheiden:
- welches Medikament für Sie geeignet ist,
- welche Dosis Sie benötigen,
- ob eine Behandlung begonnen oder beendet werden soll,
- ob eine Nebenwirkung vorliegt,
- welche Kontrollen bei Ihnen notwendig sind,
- welche Therapie für Ihre Erkrankung die beste ist.
Diese Entscheidungen benötigen eine individuelle medizinische Beurteilung.
Patavio-Merksatz
Rheumabehandlung bedeutet mehr als Medikamente. Die passende Behandlung verbindet Krankheitskontrolle, Schmerzlinderung, Bewegung, Unterstützung im Alltag und regelmäßige Kontrollen. Entscheidend ist nicht, möglichst viel zu behandeln, sondern das Richtige für die konkrete Erkrankung und den betroffenen Menschen zu tun.
Quellen und fachliche Grundlage
- Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie und Klinische Immunologie
- AWMF-Leitlinienregister
- European Alliance of Associations for Rheumatology
- British Society for Rheumatology
- Deutsche Gesellschaft für Ernährung
- Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen / gesundheitsinformation.de
- gesund.bund.de
Quellenstand: 21.07.2026

