
Die Grafik zeigt die elektrische Erregungsausbreitung im Herzen, eine EKG-Linie sowie einen am Handgelenk dargestellten fühlbaren Puls.
Wie entsteht ein Herzschlag?
Ein Herzschlag entsteht nicht zufällig. Damit das Herz geordnet schlagen kann, braucht es elektrische Signale.
Diese elektrischen Signale sorgen dafür, dass sich der Herzmuskel in einer abgestimmten Reihenfolge zusammenzieht.
Zuerst werden die Vorhöfe elektrisch erregt, anschließend werden die Herzkammern aktiviert. Dadurch kann das Herz als geordnete Pumpe arbeiten.
Wenn die elektrische Steuerung gestört ist, kann das Herz:
- zu schnell schlagen,
- zu langsam schlagen,
- unregelmäßig schlagen,
- oder die Erregung nicht richtig weiterleiten.
Diese Störungen werden Herzrhythmusstörungen genannt.
Der Sinusknoten – der natürliche Taktgeber
Der Sinusknoten ist eine kleine Struktur im rechten Vorhof. Er gibt normalerweise den Takt für den Herzschlag vor.
Deshalb wird er oft als natürlicher Schrittmacher des Herzens bezeichnet.
Vom Sinusknoten gehen elektrische Impulse aus. Diese breiten sich über die Vorhöfe aus und lösen deren elektrische Aktivierung aus.
Einfach erklärt
Der Sinusknoten gibt den Startimpuls für den normalen Herzschlag.
Der AV-Knoten (atrioventrikulärer Knoten – elektrische Umschaltstelle zwischen Vorhöfen und Herzkammern)
Nach dem Sinusknoten gelangt das elektrische Signal zum atrioventrikulären Knoten.
Der Name atrioventrikulär bedeutet vereinfacht: zwischen Vorhöfen und Kammern.
Der atrioventrikuläre Knoten hat eine wichtige Aufgabe: Er leitet das Signal von den Vorhöfen zu den Kammern weiter – allerdings mit einer kurzen Verzögerung.
Diese kurze Verzögerung ist sinnvoll. Sie unterstützt den abgestimmten Ablauf zwischen Vorhöfen und Herzkammern.
Einfach erklärt
Der atrioventrikuläre Knoten ist eine wichtige Umschaltstelle zwischen Vorhöfen und Kammern.
Das elektrische Leitungssystem
Vom atrioventrikulären Knoten geht das Signal weiter über das elektrische Leitungssystem des Herzens.
Dazu gehören unter anderem:
- His-Bündel
- Tawara-Schenkel
- Purkinje-Fasern
Diese Namen müssen nicht sofort auswendig gelernt werden. Wichtig ist das Prinzip:
Das Herz besitzt ein inneres Leitungssystem, das elektrische Impulse schnell und geordnet weitergibt. Nur so können sich die Herzkammern möglichst koordiniert zusammenziehen.
Wenn in diesem System Störungen auftreten, kann es zu Reizleitungsstörungen oder Herzrhythmusstörungen kommen.
Einfach erklärt
Das elektrische Leitungssystem ist das interne Signalnetz des Herzens.
Herzschlag und Puls – ist das dasselbe?
Im Alltag werden Herzschlag und Puls oft gleichgesetzt. Sie hängen eng zusammen, sind aber nicht exakt dasselbe.
Herzschlag
Der Herzschlag beschreibt die elektrische und mechanische Herzaktivität, durch die das Herz Blut weiterbefördert.
Puls
Der tastbare Puls entsteht durch die Druckwelle, die mit der Auswurfleistung des Herzens in den Arterien weitergeleitet wird. Diese Druckwelle kann man an bestimmten Stellen tasten, zum Beispiel am Handgelenk oder am Hals.
Warum ist das wichtig?
Manchmal spürt jemand Herzklopfen oder Herzstolpern, manchmal ertastet man einen unregelmäßigen Puls. Beides kann zusammenhängen, ist aber nicht völlig identisch.
Einfach erklärt
Der Herzschlag entsteht im Herzen. Der Puls ist das, was man davon in den Blutgefäßen tasten kann.
Herzfrequenz und Herzrhythmus
Auch diese beiden Begriffe werden oft verwechselt.
Herzfrequenz
Die Herzfrequenz beschreibt, wie oft das Herz pro Minute schlägt.
Beispiel: 70 Schläge pro Minute.
Herzrhythmus
Der Herzrhythmus beschreibt, wie regelmäßig oder unregelmäßig das Herz schlägt.
Ein Herz kann also:
- regelmäßig mit üblicher Frequenz schlagen,
- schnell und regelmäßig,
- langsam und regelmäßig,
- oder unregelmäßig.
Zwei wichtige Fachbegriffe
- Tachykardie = zu schneller Herzschlag
- Bradykardie = zu langsamer Herzschlag
Nicht jede Abweichung ist automatisch krankhaft. Zum Beispiel kann bei gut trainierten Menschen ein langsamer Ruhepuls normal sein.
Wichtig
Nicht nur die Zahl ist entscheidend. Auch die Situation, Begleitsymptome und die Art des Rhythmus spielen eine Rolle.
Was ist der Sinusrhythmus?
Der Sinusrhythmus ist der normale Herzrhythmus, der vom Sinusknoten ausgeht.
Wenn in einem Befund steht:
„Sinusrhythmus“
bedeutet das zunächst, dass der Herzschlag in der üblichen Weise vom natürlichen Taktgeber des Herzens gesteuert wird.
Das heißt aber nicht automatisch, dass alles am Herzen unauffällig ist.
Es sagt zunächst etwas über den Ursprung des Rhythmus aus.
Einfach erklärt
Sinusrhythmus bedeutet: Der Herzschlag kommt in der üblichen Weise aus dem Sinusknoten.
Häufige Missverständnisse
„Ein langsamer Puls bedeutet ein schwaches Herz.“
Nicht automatisch. Ein langsamer Puls kann auch normal sein, zum Beispiel bei gut trainierten Menschen.
„Ein normaler Sinusrhythmus bedeutet, dass das Herz insgesamt gesund ist.“
Nicht unbedingt. Sinusrhythmus sagt zunächst etwas über den Ursprung des Herzrhythmus aus.
„Wenn das EKG (Aufzeichnung der elektrischen Herzaktivität) unauffällig ist, ist das Herz sicher gesund.“
So einfach ist es nicht. Ein einzelnes EKG (Aufzeichnung der elektrischen Herzaktivität) kann wichtige Hinweise geben, aber nicht jede denkbare Herzerkrankung ausschließen.
