Das Herz ist eines der wichtigsten Organe des menschlichen Körpers. Es arbeitet ohne Pause – Tag und Nacht, im Schlaf, in Ruhe und bei Belastung. Seine Hauptaufgabe ist es, Blut durch den Körper zu pumpen. Dadurch werden Organe, Muskeln und Gewebe mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt. Gleichzeitig hilft das Blut dabei, Kohlendioxid und andere Stoffwechselprodukte wieder abzutransportieren.
Viele Menschen stellen sich das Herz vereinfacht wie eine einzige Pumpe vor. Das ist nicht falsch, aber es erklärt nur einen Teil. Das Herz ist nämlich nicht nur eine Pumpe. Es ist auch ein Muskel, ein fein abgestimmtes Leitungssystem für elektrische Signale, ein Organ mit Klappen, Hohlräumen und eigenen Blutgefäßen.

Die Grafik zeigt einen Herzquerschnitt. Blau markierte Pfeile kennzeichnen den Weg sauerstoffarmen Blutes, rot markierte Pfeile den Weg sauerstoffreichen Blutes durch das Herz.
Wo liegt das Herz?
Das Herz liegt im Brustkorb, also im Bereich zwischen den beiden Lungen. Es befindet sich hinter dem Brustbein und vor der Wirbelsäule. Unter dem Herzen liegt das Zwerchfell, also der große Atemmuskel, der Brust- und Bauchraum voneinander trennt.
Viele Menschen sagen:
„Das Herz liegt links.“
Das ist nur teilweise richtig.
Tatsächlich liegt das Herz nicht vollständig links, sondern eher mittig im Brustkorb mit einer leichten Verlagerung nach links. Ein Teil des Herzens liegt also auch rechts der Körpermitte. Die Herzspitze zeigt meist nach links unten.
Diese Lage ist wichtig, weil Herzbeschwerden nicht immer exakt „links am Herzen“ gespürt werden. Beschwerden können auch mittig hinter dem Brustbein, im Oberbauch, im Rücken, im Kiefer, in der Schulter oder im Arm auftreten.
Einfach erklärt
Das Herz liegt nicht wie ein kleiner Ball ganz links im Körper, sondern eher mittig im Brustkorb. Nur seine Ausrichtung zeigt meist nach links.
Wie groß ist das Herz?
Das Herz ist ungefähr so groß wie die eigene Faust. Das ist nur eine grobe Faustregel, hilft aber vielen Menschen bei der Vorstellung.
Die Größe des Herzens kann sich verändern. Zum Beispiel kann es bei manchen Erkrankungen vergrößert sein. Das bedeutet aber nicht automatisch, dass das Herz „stark“ ist. Ein vergrößertes Herz kann auch ein Zeichen dafür sein, dass es belastet oder geschwächt ist.
Auch einzelne Teile des Herzens können größer oder dicker werden, zum Beispiel eine Herzkammer oder ein Vorhof.
Wichtig
„Groß“ bedeutet beim Herz nicht automatisch „gut“.
Entscheidend ist nicht nur die Größe, sondern vor allem, wie gut das Herz arbeitet.
Das Herz ist ein Muskel
Das Herz besteht zum großen Teil aus Herzmuskelgewebe. Der medizinische Fachbegriff dafür ist:
Myokard = Herzmuskel
Der Herzmuskel zieht sich zusammen und entspannt sich wieder. Durch dieses ständige Zusammenziehen und Entspannen wird Blut weitergepumpt.
Anders als viele andere Muskeln kann das Herz nicht einfach „pausieren“. Es arbeitet ununterbrochen.
Weil der Herzmuskel ständig arbeitet, braucht er selbst eine zuverlässige Versorgung mit Sauerstoff und Nährstoffen. Diese Versorgung erfolgt nicht einfach durch das Blut in den Herzkammern, sondern über eigene Blutgefäße. Diese nennt man Herzkranzgefäße. Dazu später mehr.
Einfach erklärt
Das Herz ist kein leerer Beutel, sondern ein kräftiger Muskel, der Blut durch den Körper bewegt.
Die vier Herzhöhlen
Das Herz hat vier innere Hohlräume. Diese werden auch Herzhöhlen genannt.
Sie bestehen aus:
- rechtem Vorhof
- rechter Herzkammer
- linkem Vorhof
- linker Herzkammer
Die medizinischen Fachbegriffe dazu sind:
- Vorhof = Atrium
- Herzkammer = Ventrikel
Diese Begriffe kommen in Arztbriefen, Befunden und Echoberichten sehr häufig vor. Deshalb ist es sinnvoll, sie zu kennen.
Was ist ein Vorhof?
Die Vorhöfe sind die beiden oberen Herzräume. Sie nehmen Blut auf, das zum Herzen zurückkommt.
Was ist eine Herzkammer?
Die Herzkammern sind die beiden unteren Herzräume. Sie pumpen das Blut weiter.
Dabei hat die linke Herzkammer eine besonders wichtige Aufgabe: Sie muss das Blut mit genügend Druck in den gesamten Körper pumpen. Deshalb ist ihre Muskelwand kräftiger als die der rechten Herzkammer.
Die Herzscheidewand
Die rechte und linke Herzhälfte sind durch eine Muskel- und Gewebewand voneinander getrennt. Diese Wand heißt Septum oder Herzscheidewand.
Sie sorgt im normal aufgebauten Herzen dafür, dass sich das Blut der rechten und linken Herzseite nicht direkt miteinander vermischt.
Einfach erklärt
Die Vorhöfe nehmen Blut an. Die Herzkammern pumpen Blut weiter.
Der Weg des Blutes durch das Herz
Damit man das Herz wirklich versteht, ist der Blutweg besonders wichtig.
Der Blutfluss verläuft vereinfacht so:
- Aus dem Körper kommt sauerstoffärmeres Blut zum Herzen zurück.
- Dieses Blut fließt in den rechten Vorhof.
- Von dort gelangt es in die rechte Herzkammer.
- Die rechte Herzkammer pumpt das Blut in die Lunge.
- Dort nimmt das Blut Sauerstoff auf und gibt Kohlendioxid ab.
- Anschließend fließt das nun sauerstoffreichere Blut zurück zum Herzen – in den linken Vorhof.
- Von dort gelangt es in die linke Herzkammer.
- Die linke Herzkammer pumpt das Blut in den gesamten Körper.
Einfach erklärt
Rechts geht das Blut zur Lunge. Links geht das Blut in den Körper.
Lungenkreislauf und Körperkreislauf
Der Blutkreislauf besteht vereinfacht aus zwei großen Kreisläufen.
Lungenkreislauf und Körperkreislauf
Der Lungenkreislauf
Im Lungenkreislauf wird sauerstoffärmeres Blut vom rechten Herzen in die Lunge gepumpt. Dort gibt das Blut Kohlendioxid ab und nimmt Sauerstoff auf.
Der Körperkreislauf
Im Körperkreislauf wird sauerstoffreiches Blut vom linken Herzen in den gesamten Körper gepumpt. Dort versorgt es Organe und Gewebe.
Diese beiden Kreisläufe hängen direkt zusammen. Wenn einer davon nicht richtig funktioniert, hat das Folgen für den anderen.
Wichtig: Arterie und Vene bedeuten nicht automatisch „sauerstoffreich“ und „sauerstoffarm“
Eine Arterie ist ein Blutgefäß, das Blut vom Herzen wegführt.
Eine Vene ist ein Blutgefäß, das Blut zum Herzen hinführt.
Deshalb transportiert die Lungenarterie sauerstoffärmeres Blut vom rechten Herzen zur Lunge. Die Lungenvenen bringen dagegen sauerstoffreicheres Blut aus der Lunge zurück zum linken Herzen.
Beispiel
Wenn das linke Herz geschwächt ist, kann sich Blut in die Lunge zurückstauen. Dadurch kann Atemnot entstehen.
Das Herz arbeitet nicht allein
Obwohl das Herz im Mittelpunkt steht, arbeitet es nie isoliert.
Es ist eng verbunden mit:
Der Lunge
Die Lunge sorgt dafür, dass das Blut Sauerstoff aufnehmen und Kohlendioxid abgeben kann.
Den Blutgefäßen
Sie transportieren das Blut und beeinflussen den Widerstand, gegen den das Herz pumpen muss.
Den Nieren
Die Nieren regulieren unter anderem Flüssigkeits- und Salzhaushalt. Das ist auch für Herz und Kreislauf wichtig.
Dem Nervensystem
Es beeinflusst zum Beispiel Herzfrequenz und Gefäßspannung.
Hormonen
Bestimmte Hormone wirken direkt oder indirekt auf Herz und Kreislauf.
Dem Stoffwechsel
Erkrankungen wie Diabetes können Herz und Gefäße deutlich beeinflussen.
Wichtig
Herzbeschwerden haben deshalb nicht immer nur „eine reine Herzursache“.
Umgekehrt können Erkrankungen anderer Organe das Herz mit beeinflussen.
Häufige Missverständnisse
„Das Herz liegt nur links.“
Nicht ganz. Das Herz liegt eher mittig mit einer Ausrichtung nach links.
„Herzschmerzen müssen links zu spüren sein.“
Nein. Beschwerden können auch mittig, im Rücken, im Oberbauch, im Kiefer oder im Arm auftreten.
„Das Herz ist nur eine Pumpe.“
Das Herz ist zwar eine Pumpe, aber zugleich Muskel, Klappensystem und elektrisch gesteuertes Organ.
