Wenn Krankheitserreger die Herzinnenhaut oder Herzklappen befallen
Eine infektiöse Endokarditis ist eine durch Krankheitserreger verursachte Entzündung der Herzinnenhaut. Besonders häufig sind Herzklappen, künstliche Klappen oder bestimmtes implantiertes Material betroffen.
Infektiöse Endokarditis ist selten, aber potenziell schwer. Sie wird nicht anhand von Fieber oder eines Herzgeräusches allein diagnostiziert.
Wie entsteht eine infektiöse Endokarditis?
Krankheitserreger können vorübergehend in die Blutbahn gelangen und sich unter bestimmten Voraussetzungen an vorgeschädigten Herzklappen, künstlichen Klappen oder anderen Herzstrukturen anheften.
Wer hat ein besonders hohes Risiko?
Besonders gefährdet sind unter anderem Menschen mit bestimmten künstlichen Herzklappen oder klappenbezogenem Prothesenmaterial, früherer infektiöser Endokarditis und bestimmten angeborenen Herzfehlern.
Andere Herz- und Gefäßerkrankungen können das Risiko ebenfalls beeinflussen, führen aber nicht automatisch zu denselben Vorsorgemaßnahmen.
Beschwerden und mögliche Gefahren
Fieber, Schüttelfrost, Müdigkeit, Nachtschweiß, Gewichtsverlust, Atemnot oder eine zunehmende Herzschwäche können auftreten. Der Verlauf kann akut schwer oder schleichend sein.
Die Infektion kann Klappen zerstören, sich im Herzgewebe ausbreiten und infektiöses Material oder Gerinnsel in andere Organe verschleppen.
Fieber bei einer Herzklappenerkrankung bedeutet nicht automatisch Endokarditis. Bei hohem Risiko oder passenden zusätzlichen Befunden sollte die Möglichkeit ärztlich bedacht werden.
Diagnose und Behandlung
Besonders wichtig sind mehrere Blutkulturen, Herzultraschall, klinische Untersuchung und Laborwerte. Bei künstlichen Klappen oder Herzgeräten kann zusätzliche Bildgebung notwendig sein.
Der Erreger soll möglichst genau identifiziert werden. Ein unauffälliger erster Ultraschall schließt eine Endokarditis bei weiter bestehendem Verdacht nicht immer aus.
Behandelt wird in der Regel mit gezielt ausgewählten antimikrobiellen Medikamenten. Bei schwerer Klappenschädigung, unkontrollierter Infektion oder hohem Embolierisiko kann eine Operation erforderlich sein. Spezialisierte Endokarditis-Teams bündeln diese Entscheidungen.
Was bedeutet Endokarditisprophylaxe?
Für Menschen mit besonders hohem Risiko kann bei bestimmten zahnärztlichen Eingriffen eine vorbeugende Antibiotikagabe empfohlen sein. Das gilt nicht pauschal für jede Herzerkrankung oder jeden Eingriff.
Antibiotika zur Endokarditisprophylaxe nicht eigenständig einnehmen. Ob sie erforderlich sind, hängt von Herzbefund und geplantem Eingriff ab.
Gute Mund- und Zahnhygiene sowie regelmäßige Zahnpflege sind besonders wichtig.
Wann schnelle Hilfe wichtig ist
Bei Bewusstlosigkeit, schwerer Atemnot, akuten Lähmungs- oder Sprachstörungen, Kreislaufversagen oder einer anderen akut lebensbedrohlichen Verschlechterung sofort 112 wählen.
Bei bekanntem hohem Endokarditisrisiko und anhaltendem ungeklärtem Fieber sollte ärztlicher Rat nicht unnötig hinausgezögert werden.
Fragen und Patavio-Merksatz
Fragen für das Arztgespräch
- Gehört meine Herzerkrankung zu einer Hochrisikogruppe?
- Bei welchen Eingriffen brauche ich gegebenenfalls eine Prophylaxe?
- Welche Befunde stützen oder widerlegen den Verdacht?
- Wurde ein Erreger identifiziert?
- Sind Herzklappen oder andere Herzstrukturen geschädigt?
Patavio-Merksatz
Diagnose und Behandlung einer infektiösen Endokarditis beruhen auf dem Zusammenspiel aus Blutkulturen, Bildgebung, klinischen Befunden und Erregernachweis – nicht auf einem einzelnen Symptom.
