Bei möglichen Notfallzeichen
Starke oder plötzlich auftretende Brustbeschwerden, schwere Atemnot, Bewusstlosigkeit oder Verdacht auf einen Herzinfarkt: sofort 112.
Wenn unklar ist, ob Lebensgefahr besteht, gilt im Zweifel ebenfalls der Notruf.
Bei einem akuten Notfall nicht erst diese Seite weiterlesen.
→ Herz-Notfälle erkennen und richtig handeln →
Herzklopfen und Palpitationen
Der Fachbegriff Palpitationen bedeutet:
ein bewusst wahrgenommener Herzschlag.
Menschen können beispielsweise spüren:
- starkes Herzklopfen,
- Pochen,
- einen besonders kräftigen Herzschlag,
- schnelles Schlagen,
- unregelmäßiges Schlagen.
Palpitationen können bei Herzrhythmusstörungen auftreten. Sie können aber auch in anderen Situationen vorkommen, etwa bei körperlicher Belastung, Nervosität oder anderen körperlichen Reaktionen.
Einfach erklärt
Palpitation bedeutet zunächst nur:
„Ich spüre meinen Herzschlag ungewöhnlich deutlich.“
Es ist noch keine Diagnose.
Herzstolpern
Viele Menschen kennen das Gefühl, als würde das Herz:
- einen Schlag auslassen,
- kurz stolpern,
- plötzlich besonders kräftig schlagen,
- für einen Moment unregelmäßig werden.
Häufig stecken sogenannte Extrasystolen dahinter.
Eine Extrasystole ist ein zusätzlicher Herzschlag, der außerhalb des üblichen Taktes entsteht.
Solche zusätzlichen Schläge können auch bei herzgesunden Menschen vorkommen.
Wichtig
Das bedeutet nicht:
„Herzstolpern ist immer harmlos.“
Neu aufgetretenes, häufiges oder anhaltendes Herzstolpern sollte insbesondere dann ärztlich angesprochen werden, wenn weitere Beschwerden dazukommen.
Dazu gehören beispielsweise:
- Schwindel,
- Atemnot,
- Brustbeschwerden,
- Ohnmacht.
Herzstolpern oder ein deutlich unregelmäßiger Herzschlag zusammen mit starken Brustbeschwerden, schwerer Atemnot, Bewusstlosigkeit oder ausgeprägten Kreislaufproblemen gehört nicht in eine Selbstbeobachtungsschleife. Bei möglicher Lebensgefahr gilt 112.
Herzrasen
Herzrasen beschreibt einen ungewöhnlich schnellen Herzschlag.
Der medizinische Begriff für einen zu schnellen Herzschlag lautet:
Tachykardie.
Das Herz kann bei Sport, Anstrengung, Aufregung oder Stress ganz normal schneller schlagen.
Anders kann es sein, wenn ein sehr schneller Herzschlag:
- plötzlich beginnt,
- ohne erkennbare Belastung auftritt,
- länger anhält,
- immer wieder anfallsartig vorkommt,
- von anderen Beschwerden begleitet wird.
Herzrasen kann beispielsweise mit Schwindel, Atemnot, Brustschmerzen oder in seltenen Fällen einer Ohnmacht verbunden sein.
Wichtig
Die Geschwindigkeit allein sagt noch nicht, welcher Herzrhythmus vorliegt.
Dafür ist häufig ein EKG notwendig.
Herzrasen zusammen mit starken Brustbeschwerden, schwerer Atemnot, Bewusstlosigkeit oder ausgeprägten Kreislaufproblemen kann ein Notfall sein. Dann gilt 112.
Ein langsamer Herzschlag
Ein ungewöhnlich langsamer Herzschlag wird medizinisch als:
Bradykardie
bezeichnet.
Ein langsamer Ruhepuls kann beispielsweise bei trainierten Menschen normal sein.
Er kann jedoch auch mit:
- Medikamenten,
- Störungen des Sinusknotens,
- Störungen der elektrischen Erregungsleitung,
- anderen Erkrankungen
zusammenhängen.
Bei ausgeprägten Rhythmusstörungen kann die Versorgung des Gehirns mit Blut beeinträchtigt werden. Dann können Schwindel oder Ohnmacht auftreten.
Wichtig
Ein niedriger Zahlenwert allein sagt noch nicht, ob ein Puls gefährlich ist.
Wichtig sind Situation, Beschwerden, Medikamente und der zugrunde liegende Rhythmus.
Ein unregelmäßiger Puls
Ein Puls kann:
- regelmäßig,
- gelegentlich unregelmäßig,
- oder deutlich unregelmäßig
sein.
Ein unregelmäßiger Puls kann beispielsweise bei Extrasystolen oder verschiedenen Herzrhythmusstörungen auftreten.
Ein bekanntes Beispiel ist Vorhofflimmern. Dabei kann das Herz unregelmäßig und teilweise auch zu schnell schlagen.
Aber:
Aus dem Tasten des Pulses allein lässt sich Vorhofflimmern nicht sicher diagnostizieren.
Zur genauen Beurteilung wird normalerweise die elektrische Herzaktivität untersucht, beispielsweise mit einem EKG.
Beobachtung
Hilfreich ist die Beschreibung:
- plötzlich oder allmählich?
- regelmäßig oder unregelmäßig?
- wenige Sekunden oder länger?
- in Ruhe oder bei Belastung?
- mit weiteren Beschwerden?
Was sollte man bei Beschwerden beobachten?
Für eine spätere ärztliche Beurteilung kann eine gute Beschreibung sehr hilfreich sein.
Sie müssen dafür keine medizinische Fachsprache beherrschen.
Hilfreich sind einfache Angaben.
Wann?
- Seit wann besteht die Beschwerde?
- Plötzlich oder allmählich?
- Einmalig oder wiederholt?
Wie lange?
- Sekunden?
- Minuten?
- Stunden?
- dauerhaft?
In welcher Situation?
- in Ruhe?
- beim Gehen?
- beim Treppensteigen?
- nach dem Essen?
- nachts?
- im Liegen?
- bei Stress?
Wie fühlt es sich an?
Zum Beispiel:
- Schmerz,
- Druck,
- Enge,
- Herzrasen,
- Stolpern,
- Luftnot,
- Schwindel.
Was kommt gleichzeitig vor?
Zum Beispiel:
- Atemnot,
- Schweißausbruch,
- Übelkeit,
- Schwindel,
- Ohnmacht,
- Beinschwellung.
Was hat sich verändert?
Besonders wertvoll kann die Frage sein:
„Ist das neu oder deutlich anders als sonst?“
Mögliche Ursachen und Auslöser einordnen
Herzklopfen, Stolpern oder Herzrasen können bei Herzrhythmusstörungen auftreten. Sie können aber auch mit anderen körperlichen Situationen zusammenhängen.
Mögliche Zusammenhänge sind beispielsweise:
- strukturelle Herzerkrankungen,
- Schilddrüsen- oder Elektrolytveränderungen,
- Medikamente, Alkohol oder andere anregende Stoffe,
- akute Erkrankungen, Fieber oder Flüssigkeitsmangel.
Ein beobachteter Auslöser ist nicht automatisch die Ursache und keine Schuldfrage. Medikamente sollten wegen solcher Beschwerden nicht eigenmächtig abgesetzt werden; für die Abklärung ist eine vollständige Medikamentenliste hilfreich.
Die Stärke einer Beschwerde sagt nicht sicher, wie gefährlich der zugrunde liegende Rhythmus ist. Umgekehrt können medizinisch relevante Rhythmusstörungen wenig spürbar sein. Entscheidend sind eine Aufzeichnung des Herzrhythmus und der medizinische Gesamtzusammenhang.

