Nach meiner Operation hätte ich viele Gründe gehabt, zu Hause zu bleiben.
Die einfachste Entscheidung wäre gewesen, mir einzureden, dass vieles jetzt nicht mehr geht. Dass ein Rollstuhl automatisch bedeutet, auf Dinge verzichten zu müssen, die früher selbstverständlich waren.
Ich habe mich für das Gegenteil entschieden.
Ich bin allein nach Spanien gefahren.
Fast 2.300 Kilometer bis nach Villajoyosa.
Nicht, weil ich beweisen wollte, dass ich alles kann. Sondern weil ich wissen wollte, was noch möglich ist.
Natürlich hatte ich Respekt davor. Würde ich unterwegs zurechtkommen? Würde das Hotel wirklich barrierefrei sein? Was passiert, wenn etwas schiefgeht?
Am Ende habe ich etwas gelernt, womit ich vorher nicht gerechnet hatte.
Ein Handicap nimmt einem vieles. Das lässt sich nicht schönreden.
Aber manchmal zwingt es einen auch dazu, das eigene Leben neu zu betrachten. Plötzlich werden Dinge wichtig, für die früher kaum Zeit war. Man entdeckt Seiten an sich, die man vielleicht nie kennengelernt hätte, wenn das Leben einfach so weitergelaufen wäre.
Für mich wurde diese Reise deshalb viel mehr als ein Urlaub.
Sie war der Beweis, dass man nicht aufhören muss zu leben, nur weil sich das Leben verändert hat.
Heute freue ich mich über Dinge, die ich früher oft als selbstverständlich angesehen habe. Ein Frühstück mit Blick aufs Meer. Ein Gespräch mit Menschen, die ich vorher nicht kannte. Das Gefühl, einen Ort aus eigener Kraft erreicht zu haben.
Ich habe nicht mein altes Leben zurückbekommen.
Aber ich habe ein neues gefunden, das ebenfalls schöne Momente bereithält.
Vielleicht ist genau das die wichtigste Erkenntnis dieser Reise:
Ein Handicap verändert vieles.
Es entscheidet aber nicht darüber, ob das Leben noch lebenswert ist.
Manchmal schenkt es einem sogar die Chance, das eigene Leben neu zu überdenken, Prioritäten neu zu setzen und sich Herausforderungen zu stellen, die man sich früher niemals zugetraut hätte.
Sondern ein neuer Weg.
